Die Geister unserer Vormieter
Am Anfang wird ein Kinderwagen auf die Bühne geschoben. Am Ende wird eine Tote von der Bühne getragen. Dazwischen liegt ein neues Stück von Jon Fosse, das auch «Das Leben in neunzig Minuten (leicht gekürzt)» heißen könnte. Die Handlung von «Schlaf» ist schnell erzählt: Ein junges Paar bezieht eine Wohnung, in der es Kinder großzieht, alt wird und schließlich stirbt. In die frei gewordene Wohnung zieht wieder ein junges Paar ein, das keine Kinder bekommt; sie trennen sich, der Mann bleibt allein in der Wohnung zurück.
Das ungefähr dreißigste Drama des norwegischen Bühnenminimalisten bezieht seine Spannung aus einer Zeitverschiebung: Die beiden Handlungen finden nicht hintereinander, sondern gleichzeitig statt. Zwei denkbar unspektakuläre Lebensgeschichten werden übereinander gelegt, wodurch sich doch noch szenische Reibeflächen und interessante Situationen ergeben. Das Stück beginnt also damit, dass zwei junge Paare, ohne einander wahrzunehmen, ein und dieselbe Wohnung beziehen. Das eine Paar wirkt harmonisch, das andere macht einen für diese frühe Phase der Beziehung bedenklich genervten Eindruck. Beide Männer überraschen ihre Frauen mit einem Kinderwagen, den sie als Mitbringsel ...
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Es ist ein kleines Juwel, dieses aus klassischen fünf Akten bestehende Drama «Shining City» des 1971 geborenen Iren Conor McPherson. Dabei macht es gar nicht viel von sich her. Zwei Haupt- und zwei Episodenfiguren begegnen sich nach und nach in einer Dachgeschosswohnung in Dub-lin, die dem vierzigjährigen Ian gehört. Dieser Ian, ein sanfter, sympathischer Mann,...
Kinder sind bekanntlich ein gelehriger Spiegel ihrer Umgebung. Ihre Fähigkeit zur Anpassung, selbst an die brutalsten Verhältnisse, ist gleichzeitig Überlebensstrategie und Verhängnis, wobei die Frage, ob etwas nützlich oder schädlich ist, notgedrungen der Unterscheidung, ob richtig oder falsch, vorangestellt wird. Dass ausgerechnet in Schwaben und Württemberg...
Am Ende geht dieser «Platonow» überraschend glatt auf. Die kunstbeflissene Langeweile, die Schaubühnenregisseur Luk Perceval zelebriert hat, ist fast vergessen; dafür hat man den erbärmlichsten, unsexysten, entleertesten Dorfschullehrer Michail Wassilijewitsch Platonow ever zu sehen bekommen und die großartigste Generalswitwe Wojnizewa gleich dazu. Ihren an...
