Die Geister unserer Vormieter

Luc Bondy bringt Jon Fosses «Schlaf» bei den Wiener Festwochen zur deutschsprachigen Erstaufführung

Theater heute - Logo

Am Anfang wird ein Kinderwagen auf die Bühne geschoben. Am Ende wird eine Tote von der Bühne getragen. Dazwischen liegt ein neues Stück von Jon Fosse, das auch «Das Leben in neunzig Minuten (leicht gekürzt)» heißen könnte. Die Handlung von «Schlaf» ist schnell erzählt: Ein junges Paar bezieht eine Wohnung, in der es Kinder großzieht, alt wird und schließlich stirbt. In die frei gewordene Wohnung zieht wieder ein junges Paar ein, das keine Kinder bekommt; sie trennen sich, der Mann bleibt allein in der Wohnung zurück.


Das ungefähr dreißigste Drama des norwegischen Bühnenminimalisten bezieht seine Spannung aus einer Zeitverschiebung: Die beiden Handlungen finden nicht hintereinander, sondern gleichzeitig statt. Zwei denkbar unspektakuläre Lebensgeschichten werden übereinander gelegt, wodurch sich doch noch szenische Reibeflächen und interessante Situationen ergeben. Das Stück beginnt also damit, dass zwei junge Paare, ohne einander wahr­zunehmen, ein und dieselbe Wohnung beziehen. Das eine Paar wirkt harmonisch, das andere macht einen für diese frühe Phase der Beziehung bedenk­lich genervten Eindruck. Beide Männer überraschen ihre Frauen mit einem Kinderwagen, den sie als Mitbringsel ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Juli 2006
Rubrik: Aufführungen, Seite 10
von Wolfgang Kralicek

Vergriffen
Weitere Beiträge
Begegnung der dritten Art

Der Generationskonflikt wird schon lange nicht mehr an der Musik- und Modefront ausgetragen, sondern in den technologischen und virtuellen Tiefen von Comic- und Computerkultur. Denn dort ist die Jugend vor den Erwachsenen noch sicher. Und zwar allein deshalb, weil Erwachsene ihr in diese komplex strukturierten Welten mangels entsprechender Kenntnisse und...

Lech ohne Lächeln

Das polnische Theater hat sich nach 1989 lange Zeit als Raum der reinen Kunst bestimmt. Politische Fragen sollten anderswo diskutiert werden und das Theater, das in der lähmenden Zeit des Kriegsrechts gelitten hatte, in aller Ruhe seine Rolle im neuen Polen finden. Krystian Lupa stieg mit seinen oft vielstündigen Romanbearbeitungen zum überragenden Regisseur jener...

Erfurt leuchtet

Als 1808 die berühmten Hofschauspieler der «Comédie Fran­çaise» die versammelten Monarchen des Erfurter Fürstenkongresses mit ihrem Spiel zerstreuten, mussten sie noch mit dem später Kaisersaal genann­ten Ballhaus vorlieb nehmen. Erst 1877 leisteten sich die Erfurter Bürger ein veritables Theatergebäude, mit immerhin 1150 Plätzen, aber noch ohne eigenes Ensemble....