Der Cowboy auf der Maximilianstraße
Im ersten Spielzeitbuch zu Beginn seiner Intendanz 2010 in München ist ein Foto abgedruckt. Es zeigt Johan Simons, der die Maximilianstraße überquert. 45 Jahre früher hat er, Johan Simons, zum ersten Mal die Maximilianstraße überquert. 1965 war das. Johan war gerade mit dem Bus angekommen, stand auf der Maximilianstraße und schaute Richtung Kammerspiele.
Es gab einen Grund für seinen München-Aufenthalt. Ein Mädchen. Als Kind wohnte Johan in Heerjansdam, einem von Wasser umgebenen Dorf in der Provinz Südholland.
Jeden Sommer verbrachten Kinder, die aus Ostdeutschland geflüchtet waren, auf Initiative der Kirche ihre Ferien in dem Dorf. Auch Johans Familie hatte ein Kind zu Gast, ein Mädchen. Angenehm!
Johan zeigte ihr die Blumenzwiebelfelder in Lisse. Dort konnte man einen Kranz aus geflochtenen Narzissen kaufen, den man dann um den Hals gehängt bekam. Johans Familie lebte im Hawaii der Niederlande! Johan trug eine Tolle wie Elvis, sang «Rock-a-Hula Baby», jonglierte mit Tulpenzwiebeln und tanzte mit dem Mädchen jeden Sommer, denn jeden Sommer war sie wieder Gast in Johans Familie. «Love me tender.»
Als Johan 18 Jahre alt war, beschloss er, sie selbst zu besuchen – und zwar in der ...
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Theater heute Jahrbuch 2014
Rubrik: Theater des Jahres, Seite 58
von Von Matthias Günther
Ich glaube nicht mehr an das Theater. Jedenfalls nicht in der Form, bei der sich eitle Nostalgiker an ihre sinkenden Theatermuseums-Schiffe klammern und laut schreien, weil keiner die Reparatur bezahlt. Da sitzen sie, die alten Männer aus der alten Zeit, und pinseln noch mal neue Farbe auf die Bretter, die sie eigentlich hätten erneuern müssen. Sie haben ihre...
(Wäre es nicht schön, wenn Theatermachen nicht bedeutete, dass in Reihe drei jemand sitzt, der im narzisstischen Rausch abgerichtete Menschen anschreit und von A nach B schiebt und das auch noch beim sogenannten «Inszenieren» (hahahaaaa) eines heruntergekommenen und schon an Ort und Stelle fragwürdigen Stückes, das nicht der Gegenwart, sondern größtenteils nach...
Eine der beglückendsten Lektüren der letzten Jahre war für mich die von John Alec Bakers «The Peregrine» über ein Wanderfalkenpaar im Osten Englands. Baker, der die Falken drei Jahreszeiten lang beobachtete, beschreibt sie mit so leidenschaftlicher Genauigkeit, dass man das Gefühl hat, er identifiziert sich mit ihnen, verschmilzt mit ihnen und beginnt, die Welt von...
