Die Erfindung des Stahlseils
Die interessanteste Figur in diesem Stück heißt «Ich» (Alrun Hofert) und ist schwer greifbar. Es handelt sich um ein Atom oder Molekül, irgendein winziges Stück Materie, das immer schon da war und im Lauf der Jahrtausende so einiges mitgemacht hat. So eine Kontinentalverschiebung etwa ist ja keine Kleinigkeit. In jüngster Vergangenheit hielt es sich im Körper eines Kindes auf und geriet mit diesem auf eine heiße Herdplatte: «Ich weiß nicht, was ich genau an diesem Tag in ausgerechnet einer dieser Fingerspitzen machte.
Jedenfalls blieb ich an der Platte kleben, wurde weggewischt und landete mit dem bald grässlich stinkenden Lappen, der kein Wort sagte, auf der Deponie.»
Man kann dieses «Ich» als Mikro-Platzhalter für die gesamte Erdgeschichte oder das Leben selbst interpretieren – beziehungsweise für das, was «nach dem Sturm» noch übrig sein wird von der Welt. Weiter treten auf: ein alter und ein junger Aktivist (Lukas Holzhausen und Nicolas Matthews), die ein Denkmal für den Afrikaforscher Hermann von Wissmann stürzen wollen; der hannoversche Ingenieur Wilhelm August Julius Albert (Matthews), der im 19. Jahrhundert das Stahlseil erfunden hat; eine junge Psychothera-
peutin ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute 1 2023
Rubrik: Chronik, Seite 58
von Wolfgang Kralicek
Zwischen zwei moralisch anfechtbaren Positionen zu wählen, ist nicht einfach, zwischen zwei untadeligen manchmal noch schwieriger. Kunstfreiheit und der Kampf gegen Antisemitismus sind zwei zentrale Prinzipien ganz oben auf der Werteskala der freiheitlich-demokratischen Gesellschaftsordnung. Umso fataler, wenn sich beide in letzter Zeit immer wieder miteinander...
Vier Tage sind es nur. Vier Tage und ein bisschen. Danach sind ihr Leben und Beruf zerstört. Ist sie diskreditiert und «frei gestellt», ist sie «eine Führungskraft, der niemand folgt», ist sie verlassen und verloren. Dass und wie sehr eine einzige – womöglich falsche – Entscheidung ein Leben verändern, gar zerstören kann. Vor allem, wenn diese Entscheidung viral...
Der Titel «Das Regiebuch. Zur Lesbarkeit theatraler Produktionsprozesse in Geschichte und Gegenwart» verspricht eine eher abschreckend verschraubte theaterwissenschaftliche Abhandlung, erweist sich aber als ein anregendes, gut lesbares Standardwerk über Regiebücher vom Mittelalter bis in unsere unmittelbare Gegenwart. Die Beiträge des von Martin Schneider...
