Professor Wolff
Vier Tage sind es nur. Vier Tage und ein bisschen. Danach sind ihr Leben und Beruf zerstört. Ist sie diskreditiert und «frei gestellt», ist sie «eine Führungskraft, der niemand folgt», ist sie verlassen und verloren. Dass und wie sehr eine einzige – womöglich falsche – Entscheidung ein Leben verändern, gar zerstören kann. Vor allem, wenn diese Entscheidung viral geht.
In der sehr freien Bearbeitung von Schnitzlers «Professor Bernhardi» statuiert Robert Icke ein Exempel.
Ruth Wolff heißt seine Protagonistin, die titelgebende «Ärztin»: Sie leitet eine Privatklinik, spezialisiert auf Alzheimer. Als sie einem Priester den Zutritt zu einer jungen, im Sterben liegenden Patientin verweigert, weil es in deren Akte keinen Hinweis auf ihre Religion gibt, kommt es zum Eklat – erst intern, dann im Netz. Wolff wird Rassismus vorgeworfen, denn der Pfarrer ist schwarz (Stefan Pucher besetzt ihn mit Hajo Tuschy weiß). Außerdem sieht sich die Ärztin –als weiße und nicht gläubige Jüdin, ohne «freitags das mit den Kerzen»–, bald antisemitischen und frauenfeindlichen Angriffen ausgesetzt.
Die destruktiven Diskussionen entfalten sich langsam, aber stetig. Eine Klage wegen fahrlässiger Tötung ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute 1 2023
Rubrik: Chronik, Seite 59
von Katrin Ullmann
Vor zehn Jahren hätte das Ensemble aus dem australischen Geelong diesen Preis vermutlich noch nicht erhalten: Der «Ibsen Award», vergeben am Nationaltheater Oslo, der Arbeitsstätte des norwegischen Großdramatikers, ist der höchstdotierte Theaterpreis der Welt, wird gerne «Nobelpreis des Theaters» genannt (auch wenn die knapp 260.000 Euro bei weitem nicht an dessen...
Im Mai 1972 machte die Rote Armee Fraktion unmissverständlich klar, dass sie nicht nur Banken, sondern auch Sprengstoff kann. Sie bombte sich mit sechs Anschlägen ins Bewusstsein der westlichen Wertegemeinschaft, einer der Anschläge galt dem Hauptquartier der United States Army Europe and Seventh Army (USAREUR). Auf einem Parkplatz des Headquarter, in dem die...
Der Titel «Das Regiebuch. Zur Lesbarkeit theatraler Produktionsprozesse in Geschichte und Gegenwart» verspricht eine eher abschreckend verschraubte theaterwissenschaftliche Abhandlung, erweist sich aber als ein anregendes, gut lesbares Standardwerk über Regiebücher vom Mittelalter bis in unsere unmittelbare Gegenwart. Die Beiträge des von Martin Schneider...
