Der suggestive Mittelpunkt
Der Titel «Das Regiebuch. Zur Lesbarkeit theatraler Produktionsprozesse in Geschichte und Gegenwart» verspricht eine eher abschreckend verschraubte theaterwissenschaftliche Abhandlung, erweist sich aber als ein anregendes, gut lesbares Standardwerk über Regiebücher vom Mittelalter bis in unsere unmittelbare Gegenwart.
Die Beiträge des von Martin Schneider herausgegebenen Kompendiums beschreiben und analysieren das Regiebuch als ein Medium, das mehrere Aspekte hat und Grundlage für die Aufführung ist, sowohl für die Interpretation, die dramaturgische Einrichtung und die Inszenierung auf der Bühne als auch zur Grundlage für deren Reproduzierbarkeit dienen muss.
Die Beiträge widmen sich schon den Regiebüchern des Mittelalters: beschriftete Pergamentbzw. Papier-Rollen, die für die Aufführung von Passionsspielen benutzt wurden. Es sind Rollenbücher, die keinen Autor haben, in denen die Figuren, deren Gänge, Arrangements oder Liedeinlagen festgehalten sind, damit die Aufführung, die Organisation des Spielablaufs, wiederholt werden kann, oft ergänzt durch Soufflier-Rollen mit den zu sprechenden Texten.
Aus der Barockzeit sind viele Dramendrucke mit üppigen Paratexten und Anmerkungsappa ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute 1 2023
Rubrik: Magazin, Seite 68
von Klaus Völker
Berlin plus Wien gleich Rettung der Volksbühne? Was in der mauen ersten Spielzeit funktionierte, war jedenfalls die Flanke Österreich. Und Florentina Holzinger, deren «A Divine Comedy» zu den erfolgreichen Produktionen des letzten Jahres gehörte, landete auch mit «Ophelia’s Got Talent» den ersten Saisonhit (vgl. TH 11/22). Nun also «Hyäne Fischer»: Das «totale...
Vielleicht wäre der Sache gedient, wenn die Menschen ganz einfach Bäume würden? In diese Richtung jedenfalls geht der Wunsch von Pinoc -chio, wenn die blaue Fee ihm einen freihält, und auch Meister Gepetto scheint sich ganz wohl -zufühlen als Pinie, in die er sich nach seinem menschlichen Ableben (in Abweichung zum Vorbild von Carlo Collodi) verwandelt hat. «Sieht...
Der Samowar ist mittlerweile als Requisit ein No-Go in Tschechow-Aufführungen, weil zu sehr Russlandklischee. In Daniel Kunzes «Drei Schwestern» am Theater Lüneburg taucht der Teekocher allerdings noch einmal auf, Militärarzt Tschebutykin (Matthias Herrmann) überreicht ihn als Geburtstagsgeschenk für Irina (Berna Celebi). Das Geschenk kommt nicht gut an, alle sind...
