«Die Elfi packt das schon»
Wenn die Klavierschülerin Elfriede Jelinek übte, standen die Fenster der Wohnung weit offen. Draußen war es laut, alle paar Minuten rumpelte die Straßenbahn die abschüssige Laudongasse im achten Bezirk hinunter. Im Haus gegenüber befand sich ein zwielichtiges Café, Männer gingen ein und aus, um per Tischtelefon Damenbekanntschaften zu machen. Ein Ventilator blies den Rauch und die Essensdämpfe auf die Straße, die Gerüche drangen bis zur Klavierschülerin in den ersten Stock.
Abends schoben sich Trauben von Leuten an dem Haus vorbei, sie waren auf dem Weg ins Revuetheater an der nächsten Kreuzung, sie lachten und lärmten. Doch die Fenster wurden nicht geschlossen – die Nachbarn im Mietshaus und die Menschen auf der Straße sollten die Musik des Kindes hören. Elfriedes Mutter wollte das so, sie nannte das «Konzertgeben». Und so saß das Mädchen Stunde um Stunde drinnen am Flügel und spielte gegen ein Draußen an.
Die Kunst gehörte zu den ersten Dingen, die Elfriede Jelinek im Leben lernte. Als Kleinkind wurde sie in eine private Tanzschule zum Ballettunterricht geschickt. Dann kamen die Instrumente. Sechsjährig begann Elfriede mit Klavier, sie lernte schnell. Im Alter von neun folgten die ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Januar 2006
Rubrik: Biografie Elfriede Jelinek, Seite 22
von Roland Koberg/Verena Mayer
Ein schöner Film, ein immer wieder lustiger Film. Ein schneller, wendiger und oft verblüffender Film. Wobei die Geschichte einer arbeitslosen, alleinerziehenden Alkoholikerin und ihrer ebenso bedürftigen, aber weitaus bodenständigeren Freundin, die als ambulante Altenpflegerin jobbt, natürlich nur bedingt komödientauglich ist. Da ist zuviel Echtwelt drin. Aber...
In Trennungskrisen neigt der Mensch zur Übertreibung und zur Offensichtlichkeit. Jeder kennt das: Man redet zu viel, lacht zu laut, weint zu falsch. Man weiß nicht mehr, wer man ist, was man will und was man kann, aber das mit aller Entschiedenheit. Es muss die Angst vor dem Verschwinden sein, die in Zeiten des Wandels zu unkontrollierten Gefühlskundgebungen und...
Apfelsinen und Tulpen. Die Grundausstattung ist denkbar einfach. Pünktlich zum Jahrestag der «Orangenen Revolution» hat Armin Petras in Frankfurt Goethes «Egmont» inszeniert. Was hat das eine mit dem anderen zu tun? Nun, die Farbe macht’s. Denn die erlaubt es, eine Analogie von den spanisch besetzten Niederlanden des 16. Jahrhunderts zur Kiewer Protestbewegung im...
