«Die Elfi packt das schon»

Wien, die Musik, die Fünfziger und die Sechziger: Elfriede Jelinek lernt Klavier, Orgel und flüchtet ins Schreiben – eine Biografie

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Wenn die Klavierschülerin Elfriede Jelinek übte, standen die Fenster der Wohnung weit offen. Draußen war es laut, alle paar Minuten rumpelte die Straßenbahn die abschüssige Laudongasse im achten Bezirk hinunter. Im Haus gegenüber befand sich ein zwielichtiges Café, Männer gingen ein und aus, um per Tischtelefon Damenbekanntschaften zu machen. Ein Ventilator blies den Rauch und die Essensdämpfe auf die Straße, die Gerüche drangen bis zur Klavierschülerin in den ersten Stock.

Abends schoben sich Trauben von Leuten an dem Haus vorbei, sie waren auf dem Weg ins Revuetheater an der nächsten Kreuzung, sie lachten und lärmten. Doch die Fenster wurden nicht geschlossen – die Nachbarn im Mietshaus und die Menschen auf der Straße sollten die Musik des Kindes hören. Elfriedes Mutter wollte das so, sie nannte das «Konzertgeben». Und so saß das Mädchen Stunde um Stunde drinnen am Flügel und spielte gegen ein Draußen an.

Die Kunst gehörte zu den ersten Dingen, die Elfriede Jelinek im Leben lernte. Als Kleinkind wurde sie in eine private Tanzschule zum Ballettunterricht geschickt. Dann kamen die Instrumente. Sechsjährig begann Elfriede mit Klavier, sie lernte schnell. Im Alter von neun folgten die ...

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Theater heute Januar 2006
Rubrik: Biografie Elfriede Jelinek, Seite 22
von Roland Koberg/Verena Mayer

Vergriffen
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