Komm, ich zeige dir mein Themenalbum
Da stehen sie in einer Reihe. Bevor in Hannover das große Schlachten anhebt, befinden sich Richard Gloster, seine künftigen Opfer und deren Angehörige auf Augenhöhe. Ein jeder spricht ein paar alarmierte Thesen von Baudrillard oder Giorgio Agamben und trägt so sein Scherflein zur Gegenwartsdiagnose bei, derzufolge wir sexuell, politisch und ästhetisch komplett auf den Hund gekommen sind. Zu viele Drogen, zu viel Konsum, zu viel Kommunikation, und obendrein dieses kranke positive Denken. Das Fazit zieht Richard: «In einer übersättigten Gesellschaft ist nur der Terror sinnvoll.
» Womit das Programm des Abends steht: Dieser künftige König ist kein kleiner Amokläufer, auch kein Sprengstoffmeister von Bin Ladens Gnaden, sondern ein intellektueller Hipster, der aus Langeweile und Verzweiflung an der Zivilisation zum Killer wird. Bleibt allenfalls zu klären, ob die Welt tatsächlich derart furchtbar ist, oder ob der intellektuelle Mensch nicht selber destruktive Züge trägt.
Es ist das Intro eines schrecklich inhaltsreichen bunten Abends. Der 36-jährige Regisseur Sebastian Baumgarten, im Musiktheater als einer der interessantesten Nachwuchsregisseure gehandelt und in den letzten drei Jahren ...
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Es muss eine unbezähmbare Sehnsucht nach Repräsentation gewesen sein, die den Regie führenden Intendanten Stephan Märki antrieb, Schillers Trauerspiel in ein (falsch verstandenes) Schleef-Korsett zu pressen. Mancher Verpflichtung war da ja gerecht zu werden: Weimar, die Klassikerstadt, Ort der Uraufführung, dazu die Dimension des Hauses, auch wenn das nicht...
Es gibt Poptitel, die bringen eine Situation mehr auf den Punkt als seitenlange Dialoge. Also legt sich die ohnehin labile Charlotte im Moment einer besonders großen Krise (ihr alkoholkranker Freund ist gerade gestorben) hin, und es ertönt der Popsong «Suicide Is Painless». Und also singt Charlottes spießiger Bruder Julius, der aus der Enge seiner Ehe zu Charlotte...
Wenn die Klavierschülerin Elfriede Jelinek übte, standen die Fenster der Wohnung weit offen. Draußen war es laut, alle paar Minuten rumpelte die Straßenbahn die abschüssige Laudongasse im achten Bezirk hinunter. Im Haus gegenüber befand sich ein zwielichtiges Café, Männer gingen ein und aus, um per Tischtelefon Damenbekanntschaften zu machen. Ein Ventilator blies...
