Die einzig wirkliche Griechin
Was für eine Tragödin! Am Leib von Nina Hoss als Medea wird das Schwarz wieder zu dem, was es einmal war: die Farbe des Todes, die Farbe der archaischen Landbevölkerung, die Farbe des großen Nein zur bunten Mittelstandswelt des in seiner Berliner Variante sehr gegenwärtig ausschauenden Korinth. Ausgerechnet die Barbarin aus dem halbwilden Kolchis ist unter den dortigen Seifenopernhellenen die einzige wirkliche Griechin, stolz und kompromisslos, göttergleich das eher kleine männliche Objekt ihrer Liebe überragend.
Medea, das ist seit zweieinhalb Jahrtausenden bekannt, stirbt nicht, sie lässt lieber sterben. Als ihr Gatte Jason (Michael Neuenschwander) durch eine Heirat die soziale Leiter hinaufsteigen möchte, mordet sie ihre Kinder, vergiftet ihre Nebenbuhlerin sowie deren Vater – und kommt auch noch ungeschoren davon. Das ist heute vielleicht ein noch größerer Skandal als in der Antike, die ja ein – gelinde gesagt – unsentimentales Verhältnis zum Kind hatte (man denke nur an den ziemlich bedenkenlos ausgesetzten Ödipus). Die Herausforderung, die darin liegt, uns so eine Frau nahe zu bringen, ohne sie durch eine Selbsterfahrungsgruppenpsychologie zu banalisieren, haben in der ...
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Vor rund sechzig Jahren saß das linke Traumpaar des 20. Jahrhunderts zeitgleich an zwei Werken: Simone de Beauvoir an der frühen Bibel des Feminismus «Das andere Geschlecht», Jean-Paul Sartre an den «Schmutzigen Händen», dem Stück mit der Frage nach dem Verhältnis von Zweck und Moral, Idee und Tat politischen Handelns, durch die er eine weibliche Figur tollen...
Das Stück des Jahres ist ein Kuriosum: Man kennt Elfriede Jelineks «Ulrike Maria Stuart» aus bisher drei Inszenierungen in Hamburg, München und Hannover, die jeweils nur einen Bruchteil des 120-Seiten-Textes benutzten. Das Werk selbst ist nicht veröffentlicht. Deshalb
fasst der Dramaturg Tilman Raabke zusammen, worum es geht – als Schauspiel-Führer.
Nachwuchsaut...
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