Über den eigenen Körper hinaus
Der Anfang einer Liebesgeschichte im Iran während der schiitischen Trauerrituale könnte so verlaufen: Es ist «Moharram», der erste Monat des nach Mondjahren rechnenden islamischen Kalenders. Wir sind am Rande einer Metropole. Weiße Maulbeerbäume, massive Rohbauten und vollgestellte Onkel-Mammad-Läden fallen ins Auge. Eine Prozession nach der anderen schiebt sich durch den Stadtteil. Am Rande einer Trauerprozession spielen Kinder mit Plastikbällen. Andere tragen mit grünen, schwarzen oder roten Tüchern verzierte Stangen, Standarten oder Embleme.
Hier und da hören wir einen Geschichtserzähler, der mit trauriger Stimme elegische Gedichte rezitiert. Oder wir sehen Männer, die sich auf die Brust schlagen oder geißeln – ähnlich wie auf den Bußprozessionen der spanischen Karwoche. Es gibt regimenahe Brustschläger, aus welchen Gründen auch immer in Trance geratene Büßer und Hobbygeißler. Die Mehrheit schlägt sanft und rhythmisch mit der flachen Hand auf die bekleidete Brust.
Im Taumel der Trommelschläge richten sich die Blicke zweier neugieriger Jugendlicher aufeinander: Die Pupillen erweitert, die Nasenlöcher geweitet, die Lippen unruhig bewegen sie sich aufeinander zu. Plötzlich kommt ...
Mehdi Moradpour, geboren 1979 in Teheran, lebt seit 2001 in Deutschland. Er arbeitete in der freien Theaterszene in Leipzig und Berlin, seine Theaterstücke wurden mehrfach übersetzt. Seit der Spielzeit 2020/2021 ist der Autor und Übersetzer Dramaturg an den Münchner Kammerspielen
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Theater heute 12 2022
Rubrik: International, Seite 4
von Mehdi Moradpour
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