Die Armee der anderen
Der Philosoph Walter Benjamin schrieb in seinen Thesen «Über den Begriff der Geschichte» nicht nur über ein Bild von Paul Klee, sondern auch über das Phänomen der Siegesgeschichtsschreibung. Das Kulturgut selbst ist nicht frei von Barbarei, weil es sein Dasein nicht nur der Mühe der großen Genies, sondern auch all den namenlosen Zeitgenossen verdankt, auf deren Rücken es erschaffen wurde. Und weil die Geschichtsschreiber sich oft in die Herrschenden einfühlen, ist es auch der Prozess der Überlieferung von einem zum anderen nicht.
Die Konsequenz Benjamins: Man muss die Geschichte gegen den Strich bürsten.
Gegen den Strich bürsten beschreibt auch die Arbeit des Autors Necati Öziri, der vor seiner Korrektur von Richard Wagners «Ring des Nibelungen» bereits gegen Heinrich von Kleists «Die Verlobung in St. Domingo» Widerspruch einlegte. Damit füllt seine Arbeit als zeitgenössischer Dramatiker eine große Lücke. Er entwickelt eine künstlerische Praxis, die am Theater längst überfällig ist: die der Aufarbeitung und kritischen Reflektion des eigenen, nun mal eben rassistischen und nationalistischen Erbes und in letzter Konsequenz der Korrektur des Theaterund Opernkanons.
Sound statt ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Jahrbuch 2021
Rubrik: Neue Stücke, Seite 152
von Valerie Göhring
Ist die Zeit gerast oder stand sie still? Wann ist Zeit zu Halbwertzeit geworden, die (nicht nur nuklearen) Verfall markiert? War vor dem Anfang schon das Ende da? Diese Fragen stellt sich die göttliche Dreifaltigkeit in Miroslava Svolikovas Stück, in dem, titelgebend, Gott drei Frauen ist. Sie schauen auf die Erde, die ökologisch und mental am Ende zu sein...
Theater heute
Die Theaterzeitschrift im 62. Jahrgang
Gegründet von Erhard Friedrich und Henning Rischbieter
Herausgeber Der Theaterverlag – Friedrich Berlin
Redaktion
Eva Behrendt
Franz Wille (V.i.S.d.P.)
Redaktionsbüro
Martin Kraemer
Gestaltung
Christian Henjes
Designkonzept
Ludwig Wendt Art Direction
Redaktionsanschrift
Nestorstr. 8–9, 10709 Berlin,
Telefon...
Wir werden als eine zentrale gesellschaftliche Instanz um mehr Digitalität auch am Theater nicht herumkommen. Man kann allerdings gespannt sein, wie das Ganze vonstatten gehen soll. In einem Land mit einer einzigartig dicht ausgebauten Theaterlandschaft und einer einzigartig dürftigen digitalen Infrastruktur. Meine Arbeitserfahrung mit Digitalem ist ebenfalls...
