Die Arche Mörchen
Und nun zum Wetter: Das Stück spielt im «heißesten, trockensten und schließlich regenreichsten April seit Beginn der Wetterbeobachtung». Der meteorologische Hinweis ist wichtig: Mörchen, der Held des Dramas, hat ein hochwassersicheres Haus konstruiert. Um die Welt von seiner Erfindung zu überzeugen, fehlt jetzt nur noch eine Flutkatastrophe – doch die lässt auf sich warten. «Ich brauche keine Hilfe», sagt Mörchen. «Ich brauche Hochwasser.
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«Die Kaperer oder Reiß nieder das Haus und erbaue ein Schiff» ist das Ergebnis eines Werkauftrags, den Philipp Löhle im Vorjahr beim Stückemarkt des Theatertreffens gewonnen hat. Wie in «Genannt Gospodin» (Stückabdruck und Autorenporträt in TH 1/08) steht auch im neuen Löhle-Drama ein Mann im Mittelpunkt, der eine Vision hat und an dieser ohne Rücksicht auf Verluste festhält – ein «Nerd», wenn man so will. Aber Löhle hat ein Herz für Spinner. Tragikomödien nennt der 1978 geborene Autor seine Dramen; man kann ruhig Komödien zu ihnen sagen. Dass es sich eigentlich um Tragödien handelt, liegt in der Natur der Sache. Das bedeutet aber auch, dass man sie entsprechend ernst nehmen muss, damit sie ihre Komik entfalten. Regisseurin Jette Steckel macht ...
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Im letzten Bild von «Onkel Wanja», Jürgen Goschs Tschechow-Inszenierung am Deutschen Theater, sitzt Ulrich Matthes’ ausgemergelter Wanja zerstört auf der Lehmbank. Das Licht ist schon ziemlich tief gerutscht im mit Erde bestrichenen Bühnenkasten von Johannes Schütz und wirft lange Schatten, als ginge der Sonne nach einem anstrengenden Tag die Puste aus. Gerade ist...
Man kann in Hannover in eine x-beliebige Aufführung von «Frühlings Erwachen!» gehen und wird dasselbe Phänomen vorfinden: Unglaublich viele junge Zuschauer, darunter richtig coole Jungs, die man sonst eher nicht im Theater sieht, sind genauso konzentriert, bewegt, begeistert wie die Theatergänger der älteren und alten Generation, und am Ende bricht jedesmal Jubel...
Wie darf man das verstehen? Soll man um der höheren Sache, sagen wir einer Revolution willen, Menschen umbringen? Bevor man sich kurz ans Hirn greift, wie man die Frage überhaupt stellen kann: Brecht hat sie in seiner «Maßnahme» mindestens diskutiert, wenn nicht bejaht; Heiner Müller hat sie in «Mauser» mindestens variiert, wenn nicht akzeptiert – und das...
