Die Angst des Polizisten vor dem Flüchtenden
Eine verschneite Landschaft, eine abgelegene Straße, zwei Männer im Gebüsch versteckt. Sie stehen sich gegenüber, nur durch die Straße voneinander entfernt, sie können sich nicht sehen, aber sie sprechen miteinander. Sie erzählen von Familienausflügen, von Betriebsfeiern, von diversen Liebschaften. Sie äußern sich heiter, bisweilen geradezu aufschneiderisch vollmundig, aber auch ein gegenseitiges Abtasten, eine diffuse Angst scheint im Gespräch mitzuschwingen.
Auf einmal, sie überbieten sich in flachen Witzen, stellt sich eine Unheimlichkeit ein, eine merkwürdige Atmosphäre, bedrohlich und komisch zugleich. Ein langes Schweigen setzt ein. Beide versuchen, den anderen zu erspähen, ohne dabei selbst gesehen zu werden. Einer versucht, auf einen mickrigen Baum zu steigen, scheitert dabei aber kläglich. Sie würden sich wohl gern um den Hals fallen, aber die Angst, von dem anderen erkannt zu werden, hält sie davon ab.
Das Gespräch droht völlig zu versanden, da marschiert plötzlich eine Blaskapelle die Straße entlang. Für Sekunden erlöst die Musik die beiden aus ihrem Kommunikationswirrwarr, katapultiert sie aus dem Gefühl latenter Bedrohung in ersehnte Harmonie. Die Kapelle schwebt ...
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Theater heute Jahrbuch 2007
Rubrik: Neue Stücke der neuen Spielzeit, Seite 168
von Rita Thiele
Der Dramaturg, der liest die Stücke durch. Mag er sie lieber nicht, war Lesen seine Pflicht. Es fliegt das Manuskript, bis die Schreibtischlampe kippt. Doch wenn sie ihm gefallen, gibt er sie nachher allen. – So werden aus Lieblingsstücken bedeutende Uraufführungen: eine Auswahl der größten Chancen der nächsten Saison
Das ist das? Ist dick, rollt, wackelt und wippt, tanzt plötzlich zierlich und graziös? Das ist der Bruder von den drei Schwestern.
Was ist das? Hängt kopfüber in fünf Seilen und schaukelt und ist schwarz? Die Töchter von Bernarda Alba.
Wie kann das sein? Ein grünes Kleid, das blutet, das Blut auswäscht, bis es hautfarben am Körper klebt, aussieht wie nackt?
Wer...
Theater heute Zu einem Gespräch über Kultur und Standort und den Kulturstandort Berlin sitzen hier am Tisch André Schmitz, Kulturstaatssekretär in Berlin, und Peter Dussmann. Sie, Herr Dussmann, sind ein sehr erfolgreicher internationaler Unternehmer. Ihre Gruppe hat 2006 1.308 Millionen Umsatz gemacht, überwiegend mit Gebäudemanagement, mit einer Rendite von gut 6...
