Die 360°-Kamera sieht alles
«Über die Fiktion der Kunst lernen wir die Welt besser zu verstehen.»
Xenia Hausner
Die Zeit der durchweg geschlossenen Theater war auch eine der Suche nach neuen Bühnen und anderen Erlebnis-Räumen. Gefunden haben wir eine Erweiterung unserer ästhetischen und operativen Möglichkeiten.
Hielten wir es in Vor-Pandemie-Zeiten noch für schwierig bis ausgeschlossen, zur Programmierung von Festivals Videoaufzeichnungen von Inszenierungen zur Sichtung zuzulassen, wird das vermutlich in Zukunft selbstverständlich werden, zumal die Qualität der gestreamten Inszenierungen im vergangenen Jahr enorm gestiegen ist. Reisen kostet Zeit, Geld und muss auch auf seine Nachhaltigkeit befragt werden. Heute müssen internationale Podien nicht zwangsläufig bereist werden, und ganz nebenbei ist es einfacher geworden, sie prominent zu besetzen; hochkarätige Fachleute nehmen sich gerne eine Stunde Zeit für kurzweilige Webinare, Workshops oder Vorträge und erweitern die aktuellen Diskurse. Die Veranstaltungen sind überdies nicht mehr an ein lokales Publikum gebunden, denn je nach Interessensgebiet kann sich jede:r von überall dazuschalten, zusehen und mitdiskutieren.
Neben eigens entwickelten Live-Streams ...
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Theater heute Jahrbuch 2021
Rubrik: Streaming, Seite 84
von Iris Laufenberg
Der Begriff Anthropozän soll ein neues Erdzeitalter benennen. Das Erdzeitalter, in dem Sie und ich, in dem wir alle längst leben und das wir prägen. Und genau das macht das Anthropozän aus: Es ist das Zeitalter, in dem der Mensch das Schicksal des Planeten maßgeblich bestimmt. 300.000 Jahre gibt es den Homo sapiens auf der Erde. So lange schon sind wir in diese...
Neulich lag ich im Bett mit zwei Chilenen, einer Brasilianerin, einer älteren Indonesierin, einem Pärchen aus Los Angeles und ein paar Russen. Wir hörten Madhusree zu, wie sie ein altes bengalisches Lied sang. Bei ihr in Kalkutta war es spät in der Nacht, und selbst bei Sunny, die mittlerweile in Talinn lebt, war durch das Fenster draußen schon die esthnische...
Unruhig schleicht der Tänzer um die Bühne, wo Tänzerinnen und Tänzer ihre Kostüme aus den Kisten holen und das Bühnenbild langsam aufgebaut wird. Nervös und ungeduldig beobachtet er, wie das Ballett, eine Rekonstruktion von Jean Börlins «La création du monde» von 1923 für die Ballet Suédois in Paris choreografiert und uraufgeführt, vor ihm eingerichtet wird....
