Die 360°-Kamera sieht alles
«Über die Fiktion der Kunst lernen wir die Welt besser zu verstehen.»
Xenia Hausner
Die Zeit der durchweg geschlossenen Theater war auch eine der Suche nach neuen Bühnen und anderen Erlebnis-Räumen. Gefunden haben wir eine Erweiterung unserer ästhetischen und operativen Möglichkeiten.
Hielten wir es in Vor-Pandemie-Zeiten noch für schwierig bis ausgeschlossen, zur Programmierung von Festivals Videoaufzeichnungen von Inszenierungen zur Sichtung zuzulassen, wird das vermutlich in Zukunft selbstverständlich werden, zumal die Qualität der gestreamten Inszenierungen im vergangenen Jahr enorm gestiegen ist. Reisen kostet Zeit, Geld und muss auch auf seine Nachhaltigkeit befragt werden. Heute müssen internationale Podien nicht zwangsläufig bereist werden, und ganz nebenbei ist es einfacher geworden, sie prominent zu besetzen; hochkarätige Fachleute nehmen sich gerne eine Stunde Zeit für kurzweilige Webinare, Workshops oder Vorträge und erweitern die aktuellen Diskurse. Die Veranstaltungen sind überdies nicht mehr an ein lokales Publikum gebunden, denn je nach Interessensgebiet kann sich jede:r von überall dazuschalten, zusehen und mitdiskutieren.
Neben eigens entwickelten Live-Streams ...
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Theater heute Jahrbuch 2021
Rubrik: Streaming, Seite 84
von Iris Laufenberg
Gewerkschaftsarbeit, seien wir ehrlich, ist ein Wort, bei dessen staubigem Klang sich normalerweise Hustenreiz einstellt. So war es jedenfalls, bis Ende März Lisa Jopt in einem YouTube-Video sich und ihre «Modernisierungsagenda» den Mitgliedern der Genossenschaft deutscher Bühnenarbeiter:innen vorstellte: In vierzig sachlichen und doch unterhaltsamen Minuten...
Eine Schnapsidee war es nicht. Aber Weißweinschorle war im Spiel am Abend der Initialzündung, räumt Cosmea Spelleken ein. «Im ersten Lockdown saß ich mal mit einer befreundeten Schauspielerin zusammen, und wir waren uns einig: Wenn wir noch einmal online zusehen, wie Schauspieler vor ihrer Laptop-Kamera Märchen vorlesen, dann schreien wir.» Ja, klar, die Bühnen...
Drei Frauen in einem Hochhaus: Großmutter Sugar, Mutter Viki und Tochter Kitti. Das Hochhaus zwischen heimeliger Zärtlichkeit und brutalistischer Kälte. Kitti, 17 Jahre alt, ist schwanger. Sollte sie – so jung – ein Kind bekommen? Der Vater Maik – «ein blonder Junge, schiefes Lächeln» – wohnt ein paar Stockwerke über ihnen, mit Vater und Großvater, ein Gegenstück...
