Die 360°-Kamera sieht alles
«Über die Fiktion der Kunst lernen wir die Welt besser zu verstehen.»
Xenia Hausner
Die Zeit der durchweg geschlossenen Theater war auch eine der Suche nach neuen Bühnen und anderen Erlebnis-Räumen. Gefunden haben wir eine Erweiterung unserer ästhetischen und operativen Möglichkeiten.
Hielten wir es in Vor-Pandemie-Zeiten noch für schwierig bis ausgeschlossen, zur Programmierung von Festivals Videoaufzeichnungen von Inszenierungen zur Sichtung zuzulassen, wird das vermutlich in Zukunft selbstverständlich werden, zumal die Qualität der gestreamten Inszenierungen im vergangenen Jahr enorm gestiegen ist. Reisen kostet Zeit, Geld und muss auch auf seine Nachhaltigkeit befragt werden. Heute müssen internationale Podien nicht zwangsläufig bereist werden, und ganz nebenbei ist es einfacher geworden, sie prominent zu besetzen; hochkarätige Fachleute nehmen sich gerne eine Stunde Zeit für kurzweilige Webinare, Workshops oder Vorträge und erweitern die aktuellen Diskurse. Die Veranstaltungen sind überdies nicht mehr an ein lokales Publikum gebunden, denn je nach Interessensgebiet kann sich jede:r von überall dazuschalten, zusehen und mitdiskutieren.
Neben eigens entwickelten Live-Streams ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Jahrbuch 2021
Rubrik: Streaming, Seite 84
von Iris Laufenberg
Ein kalter, sonnig-stürmischer Maientag in Berlin. Ein knappes Dutzend Pressevertreter teilt sich FFP2-maskiert im nüchternen Raum des Landesarbeitsgerichts die paar Stühle, die nicht mit rotweißem Flatterband abgesperrt sind. Beklommene Stimmung: Wird sie gleich kommen, Shermin Langhoff, die ins Feuer geratene Intendantin des Gorki, das so lange das Role Model war...
Matthew Lopez' zweiteiliges Bühnenepos «Das Vermächtnis», inspiriert von Motiven aus E. M. Forsters 1910 erschienenem Gesellschaftsroman «Howards End», beginnt mit dem, was jedem Erzählen vorausgeht. Am Anfang ist der Drang – ein Impuls, eine durch und durch körperlich empfundene Regung. Noch vor dem ersten Wort drängt etwas, drängt zu erzählen. Und so tasten sich...
Mein intensivstes Theatererlebnis in dieser unglaublich schweren Spielzeit, die jetzt endlich zu Ende geht, hatte ich nicht im Theater, sondern vor dem Bildschirm. Und mit Bildschirm meine ich in diesem Fall tatsächlich den des Smartphones. Es waren die letzten Momente eines Events des twitch-Streamers Ludwig Ahrgren, das unter dem Namen «Subathon» googlebar ist...
