Aufgaben für die Zukunft des Balletts
Unruhig schleicht der Tänzer um die Bühne, wo Tänzerinnen und Tänzer ihre Kostüme aus den Kisten holen und das Bühnenbild langsam aufgebaut wird. Nervös und ungeduldig beobachtet er, wie das Ballett, eine Rekonstruktion von Jean Börlins «La création du monde» von 1923 für die Ballet Suédois in Paris choreografiert und uraufgeführt, vor ihm eingerichtet wird.
Millicent Hodson und Kenneth Archer haben den Klassiker der Moderne in der konstruktivistischen Ausstattung des Künstlers Fernand Léger und dem Libretto des Dichters Blaise Cendrars im Jahr 2000 für das Grand Théâtre in Genf rekonstruiert.
Erst am Ende erfahren wir, warum der afrikanische Tänzer derart nervös an der Rampe auf und ab ging. Wie nach der Vorstellung deutlich wird, hat ihn das Geschehen hochgradig irritiert. Djodjo Kazadi, so heißt die Figur, hinter der sich das Alter Ego des Künstlers Faustin Linyekula verbirgt, protestiert gegen die Auslöschung seiner Identität als Kongolese, die er heute nur noch durch den kolonialen Blick der Westeuropäer und deren Imagination betrachten kann. Er mokierte sich mit einer Karikatur des populären «Black Bottom»-Tanzes über die europäische Sicht auf afrikanischen Tanz und auf ...
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Theater heute Jahrbuch 2021
Rubrik: Zeitenwende, Seite 56
von Gerald Siegmund
Geschichte ist Gegenwart. Am Beginn von Arthur Schnitzlers «Professor Bernhardi» situiert die Angabe «Wien um 1900» die Komödie in der Regierungszeit des Wiener Bürgermeisters Karl Lueger (sprich Lu:eger), von dem Adolf Hitler nach eigenen Angaben lernte, den Antisemitismus als politisches Kampfmittel einzusetzen. Als «Professor Bernhardi» 1912 in Berlin zur...
Da war doch was. Richtig, ganz links hinten im Keller, dort, wo die alten abgelegten Selbstfeiern von Intendanten (damals in aller Regel männlich) lagern, die sich in dicken Büchern nach fünf Jahren Amtszeit eine «Ära» bescheinigt und in teuren Prachtbänden eingesargt haben, da wartet er geduldig, der einsame, graue Diamant. «War da was?» hieß demonstrativ...
Eine meiner Lieblingsanekdoten stammt von meinem Freund Jonas. Sein Ein-Personen-Klassenzimmer-Stück dauert etwa 45 Minuten, danach folgt ein ebenso langes Gespräch mit allen Schüler:innen in großer Runde. Reihum soll jede:r erzählen, woran sie bzw. er sich erinnern kann. Nach ein paar mehr oder weniger wortreichen Beschreibungen kommt ein Junge im schwarzen...
