Dick aufgetragen
Natürlich ist der «Neger» weiß. Erst ganz am Schluss kramt er doch noch das Creme-Tiegelchen hervor und schmiert sich zentimeterdick die schwarze Farbe auf den Leib und ins Gesicht. Mit küssender Gewalt hinterlässt Othello seine dunklen Spuren auf der weißen Unschuldshaut Desdemonas – wie bereits anno 1976 Ulrich Wildgruber als Zadeks Wilder. Der Mohr in Michael Helles Inszenierung am Theater Aachen ist ein Kunst-Konstrukt, die Rassen-Rolle, in die die anderen ihn drängen.
Bevor eine schwarze Couch zum Mittelpunkt des Ehedramas wird, fährt eine schwarze Wand aus dem Bühnenboden direkt vor den Zuschauernasen hervor. Verdeckt zu Beginn den blutroten Rundhorizont mit den vier schmalen Türöffnungen und dem weiß glühenden Querbalken darüber. Sieben schwarze Stühle tauchen von unten auf. Darauf sechs grau-schwarze Anzugmänner. Top Dogs, aufgereiht wie in einer Talk-Show. Jago, Brabantio, der Herzog, Cassio, Lodovico und Rodrigo warten auf den Siebten in der Reihe. Doch da liegt ja schon ein Begrüßungsgeschenk auf seinem Platz. Eine Banane. Klar, für wen die ist.
Für den, der da oben hoch über den Köpfen der anderen auf der Mauer erscheint. Für den Aufsteiger. Den weißen «Neger» Othello. ...
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