Der Wörter-Schatz
Seit Theresia Walser sich letztes Jahr nach längerer Theaterabstinenz mit zwei neuen Stücken zurückgemeldet hat, herrscht ein dezenter Krieg an deutschen Bühnen: Dramatikerin und Uraufführungsregisseure kämpfen um die Oberhoheit über Texte.
Ein Streit, der sich an Jacqueline Kornmüllers bildbeschwerter Stuttgarter Urinszenierung von Walsers «Wandernutten» entzündete, in der Absetzung der «Kriegsberichterstatterin» wenige Tage vor der Konstanzer Uraufführung durch die Regie führende Intendantin Dagmar Schlingmann seine Fortsetzung fand und nun tatsächlich die eigentlich längst überholte Werktreuedebatte unter neuen Vorzeichen wieder aufzuköcheln droht. Wie viel Rücksicht darf ein Autor fordern, wie weit darf der Regisseur sich über Dramatikerwünsche hinwegsetzen? Oder anders gefragt: Muss nicht ein Text zumindest einmal erkannt werden, bevor man alles mit ihm machen darf?
Dass dabei der profilierungssüchtige, werkvergewaltigende Regieunhold gemeinhin als der Bösewicht angesehen wird, der Autor respektive die Autorin dagegen als wehrloses Opfer in der Geiselhaft der Theatermafia, ist natürlich eine kurzsichtige Verkürzung der Verhältnisse. Andererseits kann man wohl auch nicht von ...
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Premiere in Aalen, «Dilldap» am Sonntagnachmittag im Dezember, hin mit den Kindern, in die Märchenkomödie von Dorst und Ehler mit Igel, Schnecke, Perlhuhn und natürlich einem Riesen, mit vielen, vielen Rollen und Verkleidungen. Doch «Dilldapp» in Aalen war einfach Brentanos Märchen. Um, in und unter einem schön schief gezimmerten Kasperlehäuschen spielten sich...
Es war wie beinahe jedes Jahr. Als die siebenköpfige Jury des Theatertreffens Ende Februar nach eines langen Tages Diskussionen über ihre Favoriten aus 300 Inszenierungen landauf, landab erschöpft auf das «Tableau» der Einladungen blickte, sah sie: 2 x Berlin, 2 x Hamburg, 2 x Münchner Kammerspiele, 2 x Zürich, 1 x Wiener Burgtheater und, immerhin, 1 x Hannover....
Würden sich die britischen Theatermacher etwas besser mit deutschen Klassikerzitaten auskennen, hätten sie ihrem Kultusministerium jetzt ein glorreich Goethesches «Am Golde hängt doch alles. Ach wir Armen!» entgegenschmettern können. Statt Gretchenklage wurden andere verbale Fäuste geschüttelt in einer ungewöhnlich lauten öffentlichen Debatte um den kommenden...
