Der Traum ist aus

Wolfram Höll «Nebraska»

Theater heute - Logo

Die Fleischfabrik wurde geschlossen und in die Luft gesprengt. Die Autofabrik wird demnächst auch dicht gemacht. Ein Toter liegt dort. Erschossen. Ash­bury Park, New Jersey, ist ein trauriges Fleckchen Erde. Eine kleine, schmutzige Industriestadt, hätte man früher mal dazu sagen können, und es hätte beinahe nett geklungen. Jetzt gibt es nur noch den Schmutz. Und keine Industrie. Abhauen ist die einzige Option: die Reisetasche schultern, die staubige Straße entlang bis zur Bushaltestelle und dann an den Highway in Richtung ganz weit weg. Max und Mary tun genau das.

Mit Sehnsucht im Herzen, dem Horizont im Blick, den Traum vom besseren Leben, von Freiheit, Glück und Erfolg im Sinn.

«Wir zwei 
wir sind geboren um zu rennen 
um fortzugehen»

Natürlich ist das Auto, das sie mitnimmt, ein schwarzer Cadillac. «Lang und schwarz mit Flossenheck», und der, der es fährt, ein schräger Typ mit Knarre im Handschuhfach und mit seltsamen Sprüchen auf den Lippen. Irgendwann wird er zudringlich zu Mary, Max’ Gitarre landet krachend auf seinem Schädel und er blutig im Straßengraben. Max und Mary haben den Cadil-lac für sich. Der Asphalt leuchtet in der Sonne, der Horizont flimmert, das Autoradio ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Jahrbuch 2020
Rubrik: Neue Stücke, Seite 145
von Simone Sterr

Weitere Beiträge
Rätselhafte Paralyse

Ich bin nicht souverän. Kann es nicht sein, noch immer nicht, obwohl die Freiräume wieder größer werden. Die Zeit arbeitet für uns, denkt man, beruhigt man sich. Ja, wir werden wieder Theater spielen. Der Spuk wird ein Ende haben. Aber souverän? NEIN. Ich schaffe das nicht, denn ich muss zugeben, dass ich verstörende Tendenzen in meiner Psyche entdecken musste, auf...

Von Null zur Autorschaft

Grad noch Büchner, jetzt Euripides. Es ist bemerkenswert: So gut wie ausschließlich klassische Stoffe hat Leonie Böhm auf die Bühne gebracht. Angefangen mit «Nathan die Weise» 2017 am Thalia-Theater und «Yung Faust» 2019 an den Münchner Kammerspielen – beide eingeladen zum Festival Radikal Jung. Dann «Fuck Identity, Love Romeo» (Bremen), «Die Räuberinnen» (München)...

Jokastes Kinder

In seiner bahnbrechenden Theorie um Ödipuskomplex und Penisneid hat Sigmund Freud den zweiten Part des Mythos komplett ausgeblendet: die Rolle der Jokaste. Jokaste? Genau, die Mutter, pardon: Frau des Ödipus, der mit ihr vier Kinder zeugte, nachdem er ihren Mann und seinen Vater erschlagen hatte. Diese vernachlässigte Figur aber soll, wie könnte es anders sein, in...