Selbstbeobachtung mit Rezeptionsgeschichte
Racines «Phaedra» spielt man am liebsten auf Eis (wie Martin Kušej 2017 in München) oder zumindest auf weißem Sand (Johannes Schütz in Köln 2011): kunstvoll kristallisierte frostige Sprache gegen heiße Gefühle. Aber Ersan Mondtag erhitzt die Tragödie, bis sie in Sprechblasen zerplatzt. Aus zu viel Ernst wird zu viel Spaß.
Ersan Mondtags Bühne ist eine vergrößerte, liebevoll zusammengesammelte Installation von Playmobil-Häusern und -Figuren.
Man erwartet so etwas wie die «Klassiker der Weltliteratur to go», die der Ulmer Dramaturg Michael Sommer seit Jahren mit Playmobilfiguren bei YouTube präsentiert. Alle Darsteller:innen tragen anfangs auch starre Halbmasken, wirken wie Plastikpuppen mit ihren steifen Gesten. Hübsch albern sind auch die flachen amerikanischen Straßenkreuzer, die wie die Bobbycars für Kleinkinder mit den Füßen bewegt werden, aber dennoch leuchtende Scheinwerfer und einen dampfenden Auspuff haben.
Aber Ersan Mondtag als Regisseur konterkariert diese Infantilität mit genderkritischer Exaltiertheit. Dabei wird die Grenze zwischen Schauspieler:in und Rolle verwischt: Auch die Rolle weiß, wie es enden wird, und der Schauspieler beobachtet sich selbst in seinem Be ...
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Theater heute 1 2023
Rubrik: Aufführungen, Seite 22
von Gerhard Preußer
INGOLSTADT, STADTTHEATER
bis 3.2.23, Schatten und Licht
Zusammen mit dem Stadtarchiv und dem dem Projekt «Opfer des Nationalsozialismus in Ingolstadt» wird das Schicksal zehn jüdischer Ensemble-Mitglieder des Theaters in Ingolstadt von den 1920er Jahren bis 1945 nachgezeichnet.
MARBACH, LITERATURMUSEUM DER MODERNE
bis 9.2.23, Will’s Book – 400 Jahre Shakespeare’s...
Während die Britin Caryl Churchill den «Europäischen Dramatiker:innen Preis» 2022 des Schauspiels Stuttgart, dotiert mit 75.000 Euro, am Ende doch nicht erhielt (vgl. TH 12/22), wurde der mit 25.000 Euro dotierte «Europäischen Nachwuchsdramatiker:innen-Preis» tatsächlich an die Ukrainerin Lena Lagushonkova, Autorin von bisher acht Theaterstücken, verliehen. Der...
Eva Behrendt Fangen wir vorne an! Aus welchem englischen Titel haben Sie, Maren Kames, «Bühnenbeschimpfung» übersetzt?
Maren Kames Den englischen Titel habe ich diesmal tatsächlich zum ersten Mal in der Ankündigung auf der Suhrkamp-Homepage gesehen, nachdem die Übersetzung lang abgeschlossen war. Vorher wusste ich gar nicht, dass es überhaupt einen englischen...
