Der Sprücheklopfer

William Petersen spielt den CSI-Forensiker Gil Grissom, der dem Sound sachlicher Banalität im Fernsehen zu neuen Ehren verholfen hat

Theater heute - Logo

Die Zeiten von «Harry, fahr schon mal den Wagen vor» sind endgültig vorbei. Bekanntlich ist dieser Satz in der Serie, die jedermann damit assoziiert, nie gefallen. Kultstatus hat er trotzdem, weil seine wunderbar sachliche Banalität alles einschließt, was die guten alten deutschen Krimi-Serien wie «Derrick» eben ausmachte: Behäbigkeit und Ernst, verkörpert von Männern, die als oberste Tugend das Ruhe-Bewahren hochhielten und sich nicht scheuten, Gesprächspausen mit gewichtig vorgetragenen Worthülsen zu füllen.

Die Dialoge hielten sich streng an das Schema: «Ihr Mann ist ermordet worden.» «Ermordet?» Die deutschen Kommissare von damals arbeiteten dazu noch mit den Methoden der psychologischen Einfühlung und des strengen Nachfragens: «Man fand ihn in der Badewanne.» «In der Badewanne?» Heute dürfen männliche Ermittler in deutschen Serien fast nur noch als Duo agieren, und ihre Hauptbeschäftigung besteht darin, lässig und witzig zu sein. Mit ernstem Gesicht in die Kamera zu blicken und weise klingende Sätze zu sagen, ist unterdessen Aufgabe weiblicher Verbrechensbekämpferinnen geworden. Trotzdem hat es noch keine deutsche Kommissarin, ob Rosa Roth oder Bella Block, geschafft, sich etwa ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute April 2006
Rubrik: Medien/TV, Seite 72
von Barbara Schweizerhof

Vergriffen
Weitere Beiträge
Gipfeltreffen mit Katerfrühstück

  Das Matterhorn hat viele Gesichter. Strahlend weiß vor Postkartenhimmel. Mit rosigem Gipfel, der neugierig aus dem Morgennebel ragt. Grünstichig, sturmumtost und abweisend am späten Nachmittag. Nachts ein kalter Keil in Anthrazit, spitz wie eine Waffe. Thomas Imbach hat zahllose Aufnahmen der Bergikone in seine Filmerzählung «Lenz» geschnitten, immer aus...

Geben? Nehmen!

Und die Bibel hat doch nicht recht. «Gebet, so wird euch gegeben», beschwor der Apostel Lukas im Namen des Herrn die Gläubigen und säte den Samen für einen Tatbestand, der heutzutage als «Bestechung» firmiert. Denn die menschliche Natur unterwarf sich höchst selten dem von Lukas gepriesenen Gebot des absichtslosen Gebens, dem die Belohnung, notfalls nach dem Tode,...

Der Fall Stadelmaier

Der Kritiker über sich

Ich hatte mich auf die Premiere gefreut. Und hätte gerne über sie geschrieben. Doch das geht jetzt nicht. Statt dessen ist von einem Skandal zu berichten. Ich wurde von einem Schauspieler körperlich genötigt, nach ungefähr zwanzig Minuten das Theater zu verlassen. Dabei rief er mir die schönen deutschen Sätze «Hau ab, du Arsch! Verpiß dich!...