Der Sprücheklopfer

William Petersen spielt den CSI-Forensiker Gil Grissom, der dem Sound sachlicher Banalität im Fernsehen zu neuen Ehren verholfen hat

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Die Zeiten von «Harry, fahr schon mal den Wagen vor» sind endgültig vorbei. Bekanntlich ist dieser Satz in der Serie, die jedermann damit assoziiert, nie gefallen. Kultstatus hat er trotzdem, weil seine wunderbar sachliche Banalität alles einschließt, was die guten alten deutschen Krimi-Serien wie «Derrick» eben ausmachte: Behäbigkeit und Ernst, verkörpert von Männern, die als oberste Tugend das Ruhe-Bewahren hochhielten und sich nicht scheuten, Gesprächspausen mit gewichtig vorgetragenen Worthülsen zu füllen.

Die Dialoge hielten sich streng an das Schema: «Ihr Mann ist ermordet worden.» «Ermordet?» Die deutschen Kommissare von damals arbeiteten dazu noch mit den Methoden der psychologischen Einfühlung und des strengen Nachfragens: «Man fand ihn in der Badewanne.» «In der Badewanne?» Heute dürfen männliche Ermittler in deutschen Serien fast nur noch als Duo agieren, und ihre Hauptbeschäftigung besteht darin, lässig und witzig zu sein. Mit ernstem Gesicht in die Kamera zu blicken und weise klingende Sätze zu sagen, ist unterdessen Aufgabe weiblicher Verbrechensbekämpferinnen geworden. Trotzdem hat es noch keine deutsche Kommissarin, ob Rosa Roth oder Bella Block, geschafft, sich etwa ...

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Theater heute April 2006
Rubrik: Medien/TV, Seite 72
von Barbara Schweizerhof

Vergriffen
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