Alte Bekannte, frische Geschichte, neue Version
Eine Leiche im Keller belebt jedes Drama. Und wenn das Stück unbeerdigte Vergangenheit da unten auch noch von historischer Verstrickung erzählt, dann braucht man sich um die exemplarische Bedeutsamkeit fast schon keine Sorgen mehr zu machen. Fast. Denn nicht alle Vergangenheiten sind gleich, und die jüngste ist nicht immer die explosivste. Jedenfalls nicht im Frankreich von heute.
Glücklicherweise ist Joël Jouanneaus neues Stück «Mère et fils», das von Traumata aus der Vichyzeit handelt, ist auch Yves Pagès’ findige Geschichtscollage «Labo Lubbe», in der es um den Reichstagsbrandstifter Marinus van der Lubbe geht, in sich eigenartig genug, um das Interesse auch ohne das Element Vergangenheitsbewältigung zu fesseln, denn im allgemeinen französischen Erinnerungsbetrieb haben die Nazi- und die Vichyzeit gegenwärtig schwache Konjunktur.
Vor den alten Zeiten rangieren auf einmal die ganz alten Zeiten. Gespenster aus dem tiefsten neunzehnten Jahrundert dominieren den öffentlichen Diskurs. Kolonialismus, wie der Aufstand in den Banlieues und die sehr divergierenden Stellungnahmen dazu gezeigt haben, ist ein Gift mit Langzeitwirkung, was man spätestens dann bemerken musste, als die Debatte ...
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Drei Holzscheiben links, drei Sportbogenschützen rechts, dazwischen die ganze Bühnenweite. Schon sausen drei sehr professionell abgeschossene Pfeile im Gleichflug in die Holzscheiben und schlagen mit satt verstärktem Plopp ein. Dann das Ganze noch mal. Und noch mal. Zwischen den Waffengängen lassen die Herren Schützen ihre Geräte um den Daumen schlenkern: Nicht...
Der achtzigjährige Besson war immer noch jung: der wilde Lockenkopf grauweiß, unter den emporgesträubten, dicken Augenbrauen funkelten die Augen, die Nase kräftig, die dicke Unterlippe hängend. Nur die Falten von den Nasenflügeln abwärts noch tiefer eingekerbt als früher. Ein clownischer Charakterkopf. Die über viele Register gebietende Stimme immer noch mit...
Achtung, das war gerade ein echter Theaterskandal. Tage-, nein wochenlange Aufregung, jeden Morgen neue Aufmacher und Kommentare, Reden und Gegenreden in den Feuilletons, plötzlich hatte jeder wieder eine Meinung. Und die Folgen sind noch gar nicht absehbar. Möglicherweise steht das gesamte deutschsprachige Regietheater zur Disposition. Sogar die «Bild»-Zeitung war...
