Der Sex von gegenüber
Nichts mischt eine abgelaschte Party so auf wie der Einbruch des echten Lebens. Auf einer Dachterrasse bemühen sich fünf Leute (zwei Paare und ein Single) vergeblich um Geselligkeit und finden erst zusammen, als das nachbarliche Ehepaar bei offenem Fenster (und Licht!) übereinander herfällt – das ist die Situation von Meike Haucks Stück «Hund frisst Gras».
Die Konfrontation mit fremdem Sex ist hier ein Katalysator zur Überprüfung des eigenen Status quo.
Doch noch mehr regt die folgende Konversation des beobachteten Paares die Fantasien der Zuschauer an: «Sie haben sich noch was zu sagen», interpretiert Marlies das Gespräch von Paul und Vera. «Genießen einfach die Zweisamkeit», vermutet Reiner. Das eigene Scheitern – Reiner und Belinda sind seit Jahren verheiratet und zerstritten, Marlies und Max hingegen können sich zum Ehebund nicht richtig durchringen – weckt Sehnsucht nach dem scheinbaren Glück gegenüber. «Er kümmert sich, wenn es ihr schlecht geht», fantasiert Marlies. Doch das Gegenteil ist der Fall: Zwischen Paul und Vera wird gerade die pure Ehekrise ausgebrütet. Er geht fremd und sie daran fast kaputt. Sie verlangt eine Entscheidung, was ihn aus dem Haus treibt.
Da das ...
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