Der Rest ist Spielbank
Was vom Abend übrig bleibt, ist ein Jeton. Zumindest, wenn man ihn nicht in der Pause verspielt hat. Die Pause nämlich dient nicht nur der allgemeinen Blasenentleerung, sondern
bedient den kollektiven Spieltrieb. Es gibt Sekt, Casinotische und ein Szenario, das die eigentliche Aufführung vorher und nachher ziemlich in den Schatten stellt.
Erst zögerlich, dann wie ausgehungert stürzen sich die Menschen, eben noch Zuschauer, jetzt Akteure, auf die Croupiers und ihre mit grünem Velours bespannten Tische, verjubeln ihr Spielgeld beim Black Jack, drängen sich, zunehmend aggressiver, beim Roulette. Es wird gezockt, was die Bank hergibt, und spätestens beim dritten Sekt hat jeder vergessen, dass er hier eigentlich im Theater ist.
Schließlich wird Elfriede Jelineks «Die Kontrakte des Kaufmanns» in der ehemaligen Diamantenbörse gegeben, einem seit langem leerstehenden hässlichen Hochhaus in der Frankfurter Innenstadt. Hier ist Jelineks prophetisches Werk, das knapp vor der Finanzkrise entstanden und von Geldgierskandalen inspiriert ist, am richtigen Ort. In den 70er Jahren war die Diamantenbörse ein Symbol der Kapitalvernichtung: Die Erbauer und Gründer, ein schillernd-zwielichtiges Duo ...
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Theater heute April 2011
Rubrik: Chronik, Seite 50
von Paula van Bergen
Man muss die vier Schauspieler, vor allem Klaus Brömmelmeier als Lenglumé, dafür bewundern, wie präzis und atemlos flott das alles vonstatten geht, dieser unendliche Unsinn. Wie satt und sauber da jedes Wort sitzt, wie dicht da eins ins andere fällt, genauso wie das Wohnzimmer der Lenglumés zu Beginn, das nicht auf der Bühne (von Thilo Reuter) steht, sondern mit...
Und dann ging alles ganz schnell. Kaum fünf Wochen dauerte es von dem durch Indiskretion bekannt gewordenen Angebot bis zur Vertragsunterschrift, mit der Karin Beier am 4. März im Rathaus der Hansestadt ihre Intendanz des Deutschen Schauspielhauses Hamburg zur Spielzeit 2013/14 besiegelte. Beiers Timing saß perfekt, und ihre Taktik ging auf, sich in Hamburg früh...
Romane sind unsichtbar. Das bisschen schwarz-weißes Gewimmel auf kleinen Papierbögen ist ja keine ernstzunehmende visuelle Existenz. Ihnen auf der Bühne zur Sichtbarkeit zu verhelfen, halten viele für einen Liebesdienst. Andere sehen darin nur gedankenfaule
Kinosucht und gegenwartsscheue Nostalgie. Beide Vorwürfe gegen Romane auf der Bühne werden in den zwei Kölner...
