«Der Rest ist echt»

Der Gordana-Kosanović-Preis ging letztes Jahr an Julia Wieninger: Die Verleihung fand im Mai in der Stadthalle Mülheim an der Ruhr statt

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In Karin Beiers Inszenierung von Elfriede Jelineks großer Abrechnung mit der Pandemie – oder vielmehr: mit uns Menschen, uns als Gesellschaft in der Pandemie –, in «Lärm. Blindes Sehen. Blinde sehen!» also gibt es einen Moment, in dem die Schauspielerin Julia Wieninger aus allen Rollen zu fallen scheint. Bis zu diesem Punkt sah sie wie ihre fabelhaften Kolleginnen Josefine Israel, Eva Mattes und Angelika Richter aus wie ein Alien mit gigantischen Daunenjacken, Pelzkappen, Moon-Boots gerüstet und trug die Sonnenschutz-Zinkcreme zentimeterdick auf den aufgespritzen Lippen.

Als mondäne, in ihrer Konsumlust obszöne Skihäsin in einer Tiroler Spaßscheune packte sie bergeweise Amazonpakete aus. Als Kirke – denn Jelinek verschneidet ihre Corona-Farce mit Motiven aus der Odyssee – versammelte sie, ganz resolute Herbergsmutter und rastlose Animateurin, die Mannschaft zum «Gesellschaftsspiel», in dem Jan-Peter Kampwirth, Lars Rudolph, Maximilian Scheidt und Ernst Stötzner zu Schweinen mutierten. Als Teamplayerin in einem überaus spielfreudigen Ensemble vergewaltigte sie eine Sexpuppe, simulierte eine kollabierende Lunge und half mit im Schweineschlachthof, in den sich die Bühnenhölle ...

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Theater heute Juni 2023
Rubrik: Magazin, Seite 67
von Eva Behrendt

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