Der Preis des Todes

Nora Abdel-Maksoud bringt in «Rabatt» die moralischen Verhältnisse zum Tanzen und gibt nebenbei ein Klassismus-Seminar. Der Stückabdruck liegt diesem Heft bei

Theater heute - Logo

Dena hat sich ein interessantes Geschäftsmodell aufgebaut. Die Journalistin ist zwar ein typischer Fall von Klassismus-Opfer – Postmigrantin, unterbezahlt, keine Aussicht auf eine ordentliche Erbschaft –, möchte aber trotzdem ordentlich verdienen. Jemand wie sie weiß, dass Geld auch Freiheit bedeutet.

Deshalb verreißt sie mit Wucht und Wonne alle klassismuskritischen Bücher, wettert in Talkshows gegen Identitätspolitik und angeblichen linken Faschismus, hat angeblich sogar Moralikone Carolin Emcke schon einmal öffentlich in den Schoß gekotzt und wird wegen ihrer Herkunft als besonders glaubwürdige Anklägerin fürstlich entlohnt. Und weil sie also hart und gewissenlos für ihr Geld arbeiten muss, geht sie entsprechend sparsam damit um, zum Beispiel gegenüber ausgebeuteten Dienstleistern wie Lieferando-Fahrern. Eigentlich logisch, oder? 

Pech nur, dass einer von ihnen, Davide, vor ihren Augen an einem Herzanfall stirbt, während Dena noch denkt, sein Gekeuche sei ein besonders ausgefuchster Trinkgeld-Trick. Von da an nimmt ihre Geschichte einen Lauf, der mit zick-zack mächtig untertrieben wäre. Er führt jedenfalls über ein Billigbestattungsunternehmer-Geschwisterpaar, eine ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute 6 2022
Rubrik: Das Stück, Seite 42
von Franz Wille

Weitere Beiträge
Hallo, Wut!

Es gibt viele Dinge, die sich drehen: Ein Hamsterrad, die Zeiger einer Uhr – und das Bühnenbild von «Birthday Candles», das dreht sich auch. Szenograf Jo Schramm hat dazu einen Guckkasten samt Küche entworfen, die im Verlauf des Abends ziemlich oft Kopf steht. Und diese gekippte Küche ist es auch, die als Gradmesser für die Stimmung der amerikanischen...

Wenn Ideen töten können

Wenn Wallenstein zum erstem Mal erscheint, scheppert es gewaltig. Weniger wegen des imposant schimmernden Brustharnischs überm Kettenhemd als wegen der Blechhandschuhe, mit denen er so ungeschickt wie notgeil die aus Wien heimkehrende Gemahlin befingert, die sich das, nicht weniger unter Druck, gern gefallen lässt. Nichtsdestotrotz wird atemlos Dialog gefeuert,...

Premieren im Juni, On Tour/Freie Szene 6/22

AACHEN, THEATER 
17. Breuer und Brachland-Ensemble, Das Humanotop. Ein Urbanes Zukunftsareal. Ein MörgensLab-Projekt (U) 
R. Dominik Breuer

ALTENBURG/GERA, TPT 
3. Kressin, Liebe macht frei 
R. Manuel Kressin

ANNABERG, EDUARDVON-WINTERSTEIN-THEATER 
26. nach Hofmannsthal, Jedermann 
R. Marcus Steinwender

ANSBACH, THEATER 
24. nach Hofmannsthal, Ansbacher...