Der Preis der Freundlichkeit
Irgendwann setzte sich dann im Kreise der Berliner Bekannten die Redeweise durch: «Machen wir’s wie die Volksbühne?» Was ungefähr bedeuten sollte: Hauen wir nicht auf die Pauke, ducken wir uns weg, schlüpfen wir irgendwie durch. Nennen wir es «soft start». Das war nach dem dritten Monat, der auf einen viel zu stillen Sommer folgte, da man Premieren mit der Lupe suchen musste, auf einem mit kürzestmöglichem Vorlauf veröffentlichten Spielplan (ein Spielzeitheft gibt’s nicht).
Wohl fand man hier und dort eine Diskussionsveranstaltung oder eine Buchvorstellung, dazwischen auch die Berlin-Premiere einer Arbeit wie Florentina Holzingers «Divine Comedy», die schon auf der Ruhrtriennale gelaufen war; es gab vereinzelte Talentproben der Jugendsparte P14. Und pro Monat etwas Frisches vom neuen Intendanten himself: René Pollesch. Aber daneben eben Lücken und Lücken.
«Ist ja wie bei Dercon», sagten böse Zungen. Und solche gibt es rund um die Trotzburg am Rosa-Luxemburg-Platz zuhauf, seit dem epochal verkrachten Abschied des Jahrhundertintendanten Frank Castorf 2017. Castorf hatte in seiner fünfundzwanzigjährigen Ära das Haus und seine Gewerke zu einem Hochleistungsapparat aufgebaut, der sich ...
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Theater heute Februar 2022
Rubrik: Start Volksbühne, Seite 31
von Christian Rakow
«Er ist ein Spielkopf»: Das sagt Claudius Körber vom Regisseur Mathias Spaan, mit dem er gerade in Bern einen Tausend-Facetten-«Kaspar» von Peter Handke auf die Bühne gebracht hat. Ein Spielkopf: Nichts könnte ihn selbst besser beschreiben. Wenn er mit mir am Tisch sitzt, wir wollten eigentlich nur mal einen Kaffee trinken, dann breitet sein Körper einen ganzen...
ERÖFFNUNGSSONG
Gustav
Alles was ich berühr wird zu Scheisse Warum hast du mich verlassen, Vater? Du sagtest stets aufgegeben wird nur ein Brief Du führtest mich durch die stürmische Flut, in die Berge, die Straße entlang. Ich brauche dich, Vater Auf Knien bitt ich dich Ich brauche dich, Vater Glaub an mich.
Herzlich Willkommen Schwestern und Brüder Kunstgenießer...
In Karlsruhe geht die Bombe gleich am Anfang hoch. Der «gute Gott» überreicht Jennifer ein Paket. Dann knallt’s. In Ingeborg Bachmanns Hörspiel «Der gute Gott von Manhattan» von 1957 steht die Szene am Ende. Es ist aber noch weiteres anders in der Karlsruher Bühnenfassung, die Anaïs Durand-Mauptit inszeniert hat – als Bachelorarbeit im Fach Regie, das sie an der...
