Der Preis der Freundlichkeit
Irgendwann setzte sich dann im Kreise der Berliner Bekannten die Redeweise durch: «Machen wir’s wie die Volksbühne?» Was ungefähr bedeuten sollte: Hauen wir nicht auf die Pauke, ducken wir uns weg, schlüpfen wir irgendwie durch. Nennen wir es «soft start». Das war nach dem dritten Monat, der auf einen viel zu stillen Sommer folgte, da man Premieren mit der Lupe suchen musste, auf einem mit kürzestmöglichem Vorlauf veröffentlichten Spielplan (ein Spielzeitheft gibt’s nicht).
Wohl fand man hier und dort eine Diskussionsveranstaltung oder eine Buchvorstellung, dazwischen auch die Berlin-Premiere einer Arbeit wie Florentina Holzingers «Divine Comedy», die schon auf der Ruhrtriennale gelaufen war; es gab vereinzelte Talentproben der Jugendsparte P14. Und pro Monat etwas Frisches vom neuen Intendanten himself: René Pollesch. Aber daneben eben Lücken und Lücken.
«Ist ja wie bei Dercon», sagten böse Zungen. Und solche gibt es rund um die Trotzburg am Rosa-Luxemburg-Platz zuhauf, seit dem epochal verkrachten Abschied des Jahrhundertintendanten Frank Castorf 2017. Castorf hatte in seiner fünfundzwanzigjährigen Ära das Haus und seine Gewerke zu einem Hochleistungsapparat aufgebaut, der sich ...
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Theater heute Februar 2022
Rubrik: Start Volksbühne, Seite 31
von Christian Rakow
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