Männer und Flaschen

Das Burgtheater rüstet zur großen Schlacht: Stephan Kimmig bündelt die drei Teile von Shakespeares «Heinrich VI.» mit «Richard III.» zu sieben Stunden «Rosenkriege». In Berlin schickt Tilmann Köhler einen sportlichen «Hamlet» auf die Fechtbahn

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Kurz vor der Premiere muss Richard III. doch noch überstürzt zum Friseur gelaufen sein. Auf den Probenfotos im Programmheft trägt er noch Seitenscheitel zum halblang glatten Haar – wie ein pummeliger Oscar Wilde, der zu lange in den Spiegel geschaut hat. Zum Burgtheater-Rosenkriegsfest erschien er dann allerdings mit kurzem, wildem Stoppelschnitt. So sehen kosmetische Verzweiflungs­taten aus, wenn jeder weiß, dass irgendetwas nicht stimmt, aber niemand genau sagen kann, was. Manchmal kennt nicht einmal der Friseur die Antwort.



Shakespeares «Rosenkriege» sind ein stattlicher Vierspänner der politischen Dramatik. Der Aufstieg und Fall der York-Dynastie auf dem englischen Thron beginnt mit dem Tod Heinrichs V., des legendären Frankreich-Eroberers, der zum allgemeinen Unglück nur eine Leerstelle hinterlässt. Sein Sohn Heinrich VI. wird als Kind gekrönt und entwickelt auch in späteren Jahren mehr Lust am Studieren als am Regieren. Während in Frankreich Jeanne d’Arc den Engländern Burg um Burg wieder abnimmt und wackere Feldherrn niederringt, vertreibt man sich in London die Zeit mit Machtspielen und Hofintrigen. Das politische System, in seiner Legitimität nach unten zu den Lords und ...

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Theater heute Juli 2008
Rubrik: Aufführungen, Seite 35
von Franz Wille

Vergriffen
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