Der Nach-Grüb(l)er
Eigentlich sollte Jürgen Kruse Gorkis «Nachtasyl» inszenieren, doch der Tod Klaus Michael Grübers brachte ihn auf eine andere Idee – die Kombination zweier Stücke, die Grüber an der Berliner Schaubühne inszenierte, als Kruse dort Assistent war: Tschechows frühes Dramolett «An der großen Straße» (1984) und Hölderlins Fragment «Tod des Empedokles» (1975). Kruse war nie Grübers Assistent (sondern Peter Steins), aber stilistisch und klinisch verbindet ihn mehr mit dem dunklen Propheten Grüber als mit dem akribischen Rationalisten Stein.
Nicht Menschenhass lässt Hölderlins Empedokles in den Schlund des Ätna springen. Die Agrigenter haben ihren früheren Lieblingspriester zwar verjagt, doch Versöhnung zwischen Natur und Kunst, zwischen dem Ungestalteten, Allgemeinen und dem Gestalteten, Besonderen ist sein Ziel – ein Opfertod für seine Zeit. Hölderlins Ätna ist ein philosophisches Golgatha.
Nicht Menschenhass lässt Tschechow eine zusammengewürfelte Gemeinschaft von selbstsüchtigen Alkoholikern im Wirtshaus «An der großen Straße» so unbarmherzig darstellen. Eher sein desillusionierter, aber humorvoller Blick auf die Menschen seiner Zeit. Tschechows Wirtshaus ist ein medizinisches ...
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Ich spiele auf Ihnen wie auf einem Instrument, die richtigen Töne werde ich irgendwann schon aus Ihnen herausbekommen. Ich verstehe, Sie sind also weder Hellseher noch Spekulant, Sie sind überhaupt unschuldig, haben Sie dem noch etwas hinzuzufügen? Fast erreicht und doch gescheitert, fast hätten wir die Bank saniert gehabt, wenn wir nicht gescheitert wären – sowas...
Die gute alte Brecht-Gardine hat sich auf deutschen Bühnen längst flächendeckend zum gern genutzten Raumkonzept aufgebläht: als verlängerter Zuschauerraum, Tonstudio, Probebühne, Theater-auf-dem-Theater-Setting, das die Vorgänge in Anführungszeichen setzt, als müsste man noch immer der Gefahr des romantischen Glotzens rigoros entgegenwirken; als wüchse die...
Herr Keriakous, der Grieche, übertreibt es mit der Liebe für seine verstorbene Frau, findet «der Vater» in Dennis Kellys Szenencollage «Liebe und Geld». Wer Geld hat, viel Geld, kann die Liebe zu einer Toten in Marmor, Stein und Eisen gießen und einen Tempel auf ihr Grab setzen, aber dass dieses griechische Privatmonument einen ungehörigen Schatten auf die letzte...
