Blow- und andere Jobs

Dennis Kelly «Liebe und Geld»

Theater heute - Logo

Herr Keriakous, der Grieche, übertreibt es mit der Liebe für seine verstorbene Frau, findet «der Vater» in Dennis Kellys Szenencollage «Liebe und Geld». Wer Geld hat, viel Geld, kann die Liebe zu einer Toten in Marmor, Stein und Eisen gießen und einen Tempel auf ihr Grab setzen, aber dass dieses griechische Privatmonument einen ungehörigen Schatten auf die letzte Ruhestätte der eigenen Tochter wirft, findet der Vater nicht recht, und so geht er hin und zertrümmert die Stelen und Statuen des Friedhofsnachbarn mit einem Vorschlaghammer.

Er erleichtert damit das eigene Gewissen, denn so recht geholfen hat er der Tochter, als sie noch lebte, nicht. Deren Mann David, der Protagonist des Stücks, das in Umrissen seine Biographie nachzeichnet, orientiert sich derweil neu. Eine Ex, Val, macht ihm klar, die einfachste Art, schnell und fast mühelos Geld zu verdienen, sei ein «blow job» (das Stück ist daher nicht jugend­frei), während Jess, eine neue Liebe, heimlich CDs kaufen geht und dabei Zeugin eines blutigen Messerattentats wird.

Die Stärke des Textes von Dennis Kelly (siehe auch das Porträt auf den Seiten 40 – 45 in diesem Heft) liegt darin, dass er Situationen an der thematischen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute März 2009
Rubrik: Chronik, Seite 46
von Martin Krumbholz

Vergriffen
Weitere Beiträge
«Man fühlt sich wie der liebe Gott persönlich»

Irene Bazinger Frau Breth, wonach darf man Sie denn gar nicht fragen?

Andrea Breth Mmmh … nach meinem Privatleben.

Gut, aber vielleicht möchten Sie etwas über Ihr Elternhaus erzählen?

Ich habe zu meinen Eltern immer einen ganz innigen Kontakt gehabt. Eine Familienzerstörung oder ein Sich-von-der-Familie-Abwenden kam bei uns nicht vor.

Ihr Vater Herbert Breth war...

Freispruch für Medea

Kann sein, dass Donna ihre beiden kleinen Kinder getötet hat. Kann sein, dass sie krank ist. Wir werden es nie erfahren. Sicher ist nur: Sie wird verurteilt, in den Knast gesteckt, durch die Medienarena geschleift und in zweiter Instanz aus Mangel an Beweisen freigesprochen.

Dennis Kelly hat aus dem Medea-Thema ein Doku-Drama in Zeiten der Kindsmordhysterie...

Überforderung der Perspektivlosen

«Warum eigentlich immer die Türken?», fragt der vierzehnjährige türkische Junge hinter mir leise, dann verfällt er wieder – ebenso wie die restlichen Schüler dreier Schulformen (Haupt- und Realschule und Gymnasium) – in gebanntes Schweigen. Und das für eineinhalb Stunden im Theater. Hut ab.

«Dream Team» von Lutz Hübner schafft es, Jugendliche aus den verschiedensten...