Blow- und andere Jobs

Dennis Kelly «Liebe und Geld»

Theater heute - Logo

Herr Keriakous, der Grieche, übertreibt es mit der Liebe für seine verstorbene Frau, findet «der Vater» in Dennis Kellys Szenencollage «Liebe und Geld». Wer Geld hat, viel Geld, kann die Liebe zu einer Toten in Marmor, Stein und Eisen gießen und einen Tempel auf ihr Grab setzen, aber dass dieses griechische Privatmonument einen ungehörigen Schatten auf die letzte Ruhestätte der eigenen Tochter wirft, findet der Vater nicht recht, und so geht er hin und zertrümmert die Stelen und Statuen des Friedhofsnachbarn mit einem Vorschlaghammer.

Er erleichtert damit das eigene Gewissen, denn so recht geholfen hat er der Tochter, als sie noch lebte, nicht. Deren Mann David, der Protagonist des Stücks, das in Umrissen seine Biographie nachzeichnet, orientiert sich derweil neu. Eine Ex, Val, macht ihm klar, die einfachste Art, schnell und fast mühelos Geld zu verdienen, sei ein «blow job» (das Stück ist daher nicht jugend­frei), während Jess, eine neue Liebe, heimlich CDs kaufen geht und dabei Zeugin eines blutigen Messerattentats wird.

Die Stärke des Textes von Dennis Kelly (siehe auch das Porträt auf den Seiten 40 – 45 in diesem Heft) liegt darin, dass er Situationen an der thematischen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute März 2009
Rubrik: Chronik, Seite 46
von Martin Krumbholz

Vergriffen
Weitere Beiträge
Die feinen Unterschiede

Der Horror beginnt ganz leise. Birgit Minich­mayrs Gitti, PR-Frau beim Musikkonzern Uni­versal, ist ein Mädchen zum Pferdestehlen: unkompliziert, humorvoll, selbstbewusst, und wenn sie ihren Freund halb zärtlich, halb trampelig Richtung Familiengründung zu bugsieren versucht («Komm, wir lassen mal die Kondome weg»), hat das unbedingt Charme. Dazu passt ihr...

Was tun? Oder nichts tun?

Wer hätte gedacht, dass Shakespeares Hamlet einmal die Herausforderungen einer Weltfinanzkrise bestehen muss? Ausgerechnet Hamlet, einer der ersten dramatischen Europäer, der anfängt, auf offener Bühne über sich nachzudenken und prompt zu keinem klaren Entschluss mehr findet. Ausgerechnet Hamlet, der nicht einmal den Mord an seinem Vater rächen kann, ohne ein...

Die Kontrakte des Kaufmanns

Ich spiele auf Ihnen wie auf einem Instrument, die richtigen Töne werde ich irgendwann schon aus Ihnen herausbekommen. Ich verstehe, Sie sind also weder Hellseher noch Spekulant, Sie sind überhaupt unschuldig, haben Sie dem noch etwas hinzuzufügen? Fast erreicht und doch gescheitert, fast hätten wir die Bank saniert gehabt, wenn wir nicht gescheitert wären – sowas...