Der Lauterkeit auf der Spur
Wie das denn gehen solle, jammere ich der Freundin telefonisch ins Ohr – ein Geheimnis entschlüsseln, ein Rezept für Erfolg analysieren. Und nein, nein sagen, ginge in dem Falle gar nicht, schließlich wolle man vor der Herausforderung nicht kneifen, und es sei ja auch eine Ehre, und – stimmt – man fühle sich in seiner Eitelkeit geschmeichelt – und jetzt säße man eben da mit seiner Eitelkeit und dem jungfräulichen Spiralblock.
Erfolg – warum? Eigentlich war Erfolg immer. Ich begebe mich auf Spurensuche.
Wo ist denn Konstanz?
Mir gegenüber steht ein sehr freundlicher, offener, neugieriger und liebenswert scheinender Mann, kaum älter als ich, der zukünftige Intendant des Stadttheaters Konstanz. Wo, bitte, ist das denn?
Er hat mich in einer Vorstellung gesehen, wohl auch etwas über mich gehört, wie gesagt, er war neugierig und freundlich. Offenbar gefiel ich ihm – keine Selbstverständlichkeit, ich hatte menschenverachtende Vorsprechen hinter mir, die mich an den Rand der ICE-Trassen (die es damals noch nicht gab) brachten. Er begänne in der folgenden Spielzeit seine erste Intendanz, er würde sich freuen, wenn ich mit dabei wäre, ich wäre sein erstes Engagement.
Was folgte, waren vier ...
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Theater heute Jahrbuch 2007
Rubrik: Thalia des Jahres: Selbstlob, Seite 48
von Helmut Mooshammer
Zum dritten Mal schon wird Katrin Brack Bühnenbildnerin des Jahres.
Ihr Ein-Material-Konzept hat bereits etliche stückspezifische Metamorphosen durchlaufen: Zuletzt hat Brack Molière mit Luftschlangen beschossen und Kleist in den Regen gestellt. Luk Perceval, Dimiter Gotscheff und Samuel Finzi loben und preisen die Künstlerin im Gespräch.
Während die Bühnenbilder...
Auf der dänischen Insel Hven kann man eines der ältesten europäischen Observatorien besichtigen. Dort hatte der dänische Astronom Tycho Brahe (1546–1601) mit großzügiger finanzieller Unterstützung seines Königs über zwei Jahrzehnt astronomische Beobachtungen durchgeführt und mit seiner systematischen Himmelsforschung den Grundstein für das heliozentrische Weltbild...
Irgendwann in der vergangenen Spielzeit widmete sich René Pollesch dem letzten Tabu des deutschen Theaters. Es ging wieder mal um käufliche Gefühle und darum, dass Theater auch nur eine Ware ist. Denkbar brutal und mit größtmöglicher Selbstverständlichkeit gab der Regisseur dem Publikum im Berliner Prater zu verstehen, dass es bei der Inszenierung «Tod eines...
