Der Lauterkeit auf der Spur
Wie das denn gehen solle, jammere ich der Freundin telefonisch ins Ohr – ein Geheimnis entschlüsseln, ein Rezept für Erfolg analysieren. Und nein, nein sagen, ginge in dem Falle gar nicht, schließlich wolle man vor der Herausforderung nicht kneifen, und es sei ja auch eine Ehre, und – stimmt – man fühle sich in seiner Eitelkeit geschmeichelt – und jetzt säße man eben da mit seiner Eitelkeit und dem jungfräulichen Spiralblock.
Erfolg – warum? Eigentlich war Erfolg immer. Ich begebe mich auf Spurensuche.
Wo ist denn Konstanz?
Mir gegenüber steht ein sehr freundlicher, offener, neugieriger und liebenswert scheinender Mann, kaum älter als ich, der zukünftige Intendant des Stadttheaters Konstanz. Wo, bitte, ist das denn?
Er hat mich in einer Vorstellung gesehen, wohl auch etwas über mich gehört, wie gesagt, er war neugierig und freundlich. Offenbar gefiel ich ihm – keine Selbstverständlichkeit, ich hatte menschenverachtende Vorsprechen hinter mir, die mich an den Rand der ICE-Trassen (die es damals noch nicht gab) brachten. Er begänne in der folgenden Spielzeit seine erste Intendanz, er würde sich freuen, wenn ich mit dabei wäre, ich wäre sein erstes Engagement.
Was folgte, waren vier ...
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Theater heute Jahrbuch 2007
Rubrik: Thalia des Jahres: Selbstlob, Seite 48
von Helmut Mooshammer
Magst du für das Jahrbuch darüber schreiben, warum das Thalia Theater so toll ist?» Ein Super-Auftrag, den mir Franz Wille so en passant am Telefon mit auf den Weg gibt. Und ich bin auch noch so blöd, zuzusagen! Aber er wird Recht haben, mir wird ungeheuer vieles einfallen, schließlich bin ich wirklich gerne an diesem Theater. Was also könnte ich schreiben, ohne...
Zum Schluss plant einer sein Verschwinden. Er wird keine Spuren hinterlassen, keine Geschichte schreiben, sich unsichtbar machen. Niemand wird ihn vermissen, niemand wird nach ihm fragen, da er längst ausgeschieden ist aus dem System, das die Gesellschaft zusammenhält, aus den wirtschaftlichen und sozialen Zusammenhängen, die sie definieren.
Natürlich kennen wir...
Der Dramaturg, der liest die Stücke durch. Mag er sie lieber nicht, war Lesen seine Pflicht. Es fliegt das Manuskript, bis die Schreibtischlampe kippt. Doch wenn sie ihm gefallen, gibt er sie nachher allen. – So werden aus Lieblingsstücken bedeutende Uraufführungen: eine Auswahl der größten Chancen der nächsten Saison
