Der Künstler in den Augen des Wirtschaftsministeriums
In den verrammelten Laden im Erdgeschoss, der schon seit Jahren leer steht, sei endlich einer eingezogen, ein Künstler, behauptet der Nachbar, ein arbeitsloser Schreiner. Er werde ihm beim Renovieren helfen. Der heruntergekommene Laden solle Kunstatelier und Galerieraum werden.
Mein Freund, der Maler ist, zuckt, als er diese Wortkombination hört, zusammen, und das nicht, weil Arbeits- und Verkaufsraum in einem «Galerieatelier» beziehungsweise einer «Ateliergalerie» zusammenfallen, was zu einer reinen Verkaufsmalerei, andererseits aber auch zu einem Malereiverkauf führen kann, nein, mein Freund, der Maler ist, weil er malt und malen kann, zuckt ein wenig zusammen, weil er bereits eine kleine Staffelei durch das wieder offene Schaufenster erspäht hat, auf der eine ebenso kleine und, wie mein Freund behauptet, schrecklich dilettantische, völlig indiskutable Malerei steht, mit der er nichts zu tun haben will.
Der schlaksige Schreiner aber, den ich sonst oft so deprimiert und untätig durch die Gegend schlurfen sehe, Jutebeutel hin- und hertragend, freut sich. Er freut sich, weil er gebraucht wird, denn er schreinert gern, am liebsten in alternativen Zusammenhängen, und er freut sich, ...
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Theater heute Jahrbuch 2012
Rubrik: Das Theater mit der Kreativität, Seite 6
von Felicia Zeller
A
nach Fatih Akin, Ruth Toma, Ralph Schwingel
Kebab Connection (Grips Theater Berlin)
Jorge Angeles
Ya Basta! (Theater Krefeld/Mönchengladbach)
Sefi Atta
Hagel auf Zamfara (Theater Krefeld/Mönchengladbach)
Auftrag:Lorey
Bouncing in Bavaria (Schauspiel Frankfurt)
Thomas Arzt
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B
Jalila Baccar/Fadhel Jaibi nach Kafka
Der Prozess...
Sophie ist Sophie ist Sophie ist Sophie. Sophie ist toll. Das möchte ich eigentlich 50 Mal schreiben.
Sie ist eine Diva. Und sie hat das Recht, eine Diva zu sein. Denn sie ist keine Diva, die heiße Luft produziert. Sie kommt, wann es ihr passt. Da darf man auch nichts sagen, dann wird sie sauer. Aber wenn sie da ist, ist sie ganz da. Mit ihrer ungeheuren Energie,...
Ein junger Mann kommt auf die Bühne, die leer geräumt ist bis auf ein Klavier. Ein Probenraum, in dem (noch) niemand zu wissen scheint, wohin die Reise geht. Und auch der Mann, der die Bühne durchquert und umrundet, als ließe der Ort sich so besser verstehen, sieht wie ein Suchender aus in seinen Alltagskleidern und mit dem Reclamheftchen als Navigationshilfe in...
