Der Krieg ist zurück
Azar Mortazavi beschreibt in ihrem neuen Stück zunächst leise und sensibel eine Miniaturgesellschaft im deutschen Alltag, um Schritt für Schritt die Perspektive auf ein größeres, ein Menschheitsthema zu weiten. Wie konnten wir annehmen, den Krieg gäbe es nur anderswo? Kriege finden in scheinbar sicherer Entfernung statt, verursachen nur ab und zu einen kleinen Erkenntnisschock beim Blick in die täglichen Nachrichten.
Was uns mit den Kriegen der Welt jedoch umso stärker verknüpft, ist die Tatsache, dass immer sichtbarer Menschen, die den Krieg erlebt haben, mitten in unserer Gesellschaft leben, mit deutschen Pässen, das «neue deutsche Wir» verkörpernd. Diese Menschen und ihre Nachfahren bringen ihre Geschichten mit und mit ihnen den Krieg. Nicht als terroristische Aktion, wie oft dräuend suggeriert wird, sondern als seelischen Stoff, als Thema, Sujet, als Kraft. Der Krieg kommt also zurück, wenn auch sublimiert und umgewandelt. Und hierin liegt eine Chance des Theaters.
Die junge deutsche Autorin Azar Mortazavi, deren Vater aus dem Iran stammt, ist Chronistin von Schockwellen, die unseren scheinbar friedlichen Innerweltkosmos erschüttern. Sie beobachtet feine Haarrisse im Gefüge ...
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Theater heute Jahrbuch 2014
Rubrik: Neue Stücke der neuen Spielzeit, Seite 192
von Peter Helling
Am 11. September 1844 kommt ein deutscher Jude aus Rimpar, Bayern, in New York an – Dank sei Gott, Baruch ha Schem. 7.25 Uhr, notiert er in sein Notizbuch mit leicht zittriger Hand, bevor ihn der Einwanderungsbeamte anspricht. Name? Heyum Lehmann. Heyum? Hey ... Henry. «Ok, Henry Lehman: welcome in America. And good luck.» So betritt der erste Lehmann-Bruder als...
Man kann viel mehr sehen, wenn man nur genau hinsieht», schreibt David Gieselmann in seiner Komödie «Falscher Hase». Was könnte dem flüchtigen Blick beim zu schnellen Hinschauen denn entgehen? In «Container Paris» zeigt sich auch bei ganz genauer Betrachtung nur eins: das Nichts.
Im Zentrum des neuen Stückes von David Gieselmann steht ein Container. Genauer...
In meiner Vorstellung ist dieses Theater eine architektonische, räumliche Erweiterung meines Körpers. Ein Wahrnehmungsapparat. Was sich eröffnet, ist ein Ort, in dem alles fröhlich uneindeutig ist, so klar es auf den ersten Blick auch erscheinen mag. Die Architektur, die Schichtung des Baumaterials, die Wände. Oder die Türen, mit flackernden Notausgangsschildern,...
