Der Krieg ist zurück
Azar Mortazavi beschreibt in ihrem neuen Stück zunächst leise und sensibel eine Miniaturgesellschaft im deutschen Alltag, um Schritt für Schritt die Perspektive auf ein größeres, ein Menschheitsthema zu weiten. Wie konnten wir annehmen, den Krieg gäbe es nur anderswo? Kriege finden in scheinbar sicherer Entfernung statt, verursachen nur ab und zu einen kleinen Erkenntnisschock beim Blick in die täglichen Nachrichten.
Was uns mit den Kriegen der Welt jedoch umso stärker verknüpft, ist die Tatsache, dass immer sichtbarer Menschen, die den Krieg erlebt haben, mitten in unserer Gesellschaft leben, mit deutschen Pässen, das «neue deutsche Wir» verkörpernd. Diese Menschen und ihre Nachfahren bringen ihre Geschichten mit und mit ihnen den Krieg. Nicht als terroristische Aktion, wie oft dräuend suggeriert wird, sondern als seelischen Stoff, als Thema, Sujet, als Kraft. Der Krieg kommt also zurück, wenn auch sublimiert und umgewandelt. Und hierin liegt eine Chance des Theaters.
Die junge deutsche Autorin Azar Mortazavi, deren Vater aus dem Iran stammt, ist Chronistin von Schockwellen, die unseren scheinbar friedlichen Innerweltkosmos erschüttern. Sie beobachtet feine Haarrisse im Gefüge ...
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Theater heute Jahrbuch 2014
Rubrik: Neue Stücke der neuen Spielzeit, Seite 192
von Peter Helling
Seit Adam und Eva beginnt alles mit einem Trauma – Geburt. Was danach folgt, sind Lektionen fürs Leben. Ungefähr so läuft es im allgemeinen und auch im konkreten Fall: Die Empfängnis war zwangsläufig, und gegen die nachfolgende Schwangerschaft konnte sie nichts unternehmen. Also rüstet die Mutter ihr Kind noch vor der Geburt für ein anderes Leben. Gehorsam befolgt...
Aus der Theatervorstellung, die ich gestern besucht habe, bin ich aufs Seltsamste erfüllt von einem durch die Bewegungen und Nichtbewegungen, dem Sprechen und Nichtsprechen der Schauspieler in mich hineingepumpten Raumgefühl wieder hinausgewankt, so dass ich eben zum Beispiel erst gestern, nachdem ich einige Stunden mit diesem völlig neuen Raum- und Klanggefühl...
Sehr geehrte Redaktion,
anbei der Text. Wir haben uns nicht an die Längenbeschränkung gehalten, aber das ist nicht schlimm. Wir haben auch keine richtige Utopie verfasst. Die Realität, wie verlangt, einmal möglichst beiseite zu lassen, schien uns keine gute Idee. Stattdessen sind es nun Forderungen geworden, die sich direkt auf das gegenwärtige Theater beziehen....
