Wir müssen alle überleben

Das Stück des Jahres: «Es sagt mir nichts, das sogenannte Draußen» – Sibylle Bergs Farce über junge urbane Frauen am Rande des Sinnzusammenbruchs

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Vier Freundinnen, Mitte 20. Im grellen Saallicht trotten sie auf die Bühne. Blicken drein wie frisch verliebt in die Sinnkrise. Wadenlange Blümchenröcke. Blickdichte Strümpfe. Schlabber-Sweater, brutale Hornbrillen, Notfrisuren. Je ein Finger steckt in gut geleerten Wodka­flaschen. Je ein Erkenntnisrausch vernebelt das Gemüt: «Es sagt mir nichts, das sogenannte Draußen». Mit diesem Satz betitelt Sibylle Berg ihr Stück des Jahres, das Sebastian Nübling Ende November am Berliner Gorki Theater uraufgeführt hat.


Es ist ein Satz, unbestimmt wie das Lebensgefühl derer, die ihn aussprechen. Was er bedeutet, wissen die vier Frauen womöglich selbst nicht, und genau damit müssen sie jetzt zurechtkommen. Mit diesem angefange­nen Dasein. Mit dieser Sehnsucht nach einem «Liebeskontext». Mit diesem Warten auf den Sinn, der niemals kommt.

Aber keine Sorge, wir sind nicht bei Beckett. Wir sind bei Sibylle Berg, der in Zürich lebenden Autorin, die neben böser Rollenprosa und göttlichen Kolumnen eben auch fürs Theater schreibt, und in diesen Fällen ist ihr Metier nicht selten die Satire, die dem Lächerlichen immer noch ein Lächeln abtrotzt. Kann auch mal ein Feixen sein. «Es sagt mir nichts, das ...

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Theater heute Jahrbuch 2014
Rubrik: Stücke des Jahres, Seite 80
von Stephan Reuter

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