Der Inselbegabte

Armin Petras «Napoleon» (U) am Staatstheater Saarbrücken

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Politiker, die nichts als Hass predigen, sind wie Kaiser, die nur Krieg können: im Alltagsgeschäft unbrauchbar. Einen wie Napoleon Bonaparte dürfen wir uns folglich als Inselbegabten vorstellen, zumal in der Lesart von Armin Petras. Dessen Auftragsstück am Saarländischen Staatstheater skizziert Aufstieg und Fall eines schlachtensüchtigen Antihelden, dem durch ein Machtvakuum das Steuerrad der Geschichte zugefallen ist.

Petras, der in Saarbrücken auch Regie führt, will nichts weniger, als Bonaparte auf den Thron seiner Inszenierung zu heben.

Damit aus der Titel- garantiert keine Identifikationsfigur wird, verschleißt das Stück nicht weniger als fünf Napoleon-Darsteller:innen. Der Imperator wird zum Everyman, Karriere zum Zufallsspiel.

Diesen Ton setzt gleich die Einstiegsszene: Wie ein Dahergelaufener stiefelt John Armin Sanders Jungoffizier hinein ins Pariser Bürgerkriegschaos von 1795 – und dort in die Arme von Paul de Barras (Bernd Geiling). Artillerist Bonaparte positioniert für den korrupten Wendehals die Geschütze, metzelt ein Häuflein Royalisten nieder und kassiert die Beförderung.

Als Napoleon an der Rampe räsoniert, trifft ihn eine Rebellenkugel am Ohr. Er schreit auf, ...

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Theater heute April 2026
Rubrik: Chronik, Seite 61
von Stephan Reuter

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