Verabredung zum Dreh

«Große Geste auf halb vier» – Tjark Ihmels Filmexperiment aus dem Mainzer Central Hotel Eden im Internet

Theater heute - Logo

Den Film von den Fesseln seiner jeweiligen Konventionen zu befreien, das gehört zur Geschichte dieser Kunst im Zusammenspiel mit technischen Neuerungen. Die Schritte zum Tonfilm und wenig später zum Farbfilm waren bahnbrechend. Nicht weniger die Computerisierung von Special Effects und nachfolgend ganzer Aufnahme- und Bildbearbeitungsverfahren seit Ende der achtziger Jahre. 

Hypertext war vor rund zehn Jahren das Zauberwort, mit dem die Literatur im Computer bzw.

Netz von der Eindimensionalität eines vom Anfang zum Ende gerichteten Lesens befreit werden sollte, und selbst gestandene Schriftsteller waren begeis­tert, sich durch vage konstruierte Geschichten in der schier unendlichen Kombination ihrer Einzelteile zu klicken. Für den Film, dessen bewegte Bilder damals noch nicht in ansprechender Qualität verarbeitet werden konnten, wurde im Internet nichts weniger als eine Revolution erhofft: der Zuschauer als Regisseur einer Geschichte, die er allmählich erst herstellt, indem er sie erfindet, oder zumindest eine Version, die ihm Sinn und Freude bedeutet. 

Diese Revolution hat nicht stattgefunden. Zwar gab es eigens für das Netz entwickelte Multimedia-Projekte wie «Waxweb» (1994) des ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Dezember 2005
Rubrik: Medien/TV, Seite 72
von Thomas Irmer

Vergriffen
Weitere Beiträge
Wadenbisse ins Leere

Denken Sie nur: Schöne Frauen, die den ganzen Tag einkaufen, Geburts­tagsmenüs planen («Was heißt nochmal ‹Hummer› auf italienisch?») oder von der Liebe reden! Und Männer mit viel Geld, die diese Frauen auf Händen tragen und ihnen kostbare Armbänder aufdrängen. Dazu die etwas weniger schönen Frauen, die aber teuer zurechtgemacht sind und sich für den Rest mit...

Danke für das neue Denken

Wer Hans Christian Andersens anlässlich seines 200. Geburtsjahres gedenkt, dem fallen zwar Streichholz­mädchen, Seejungfrauen und Schneeköniginnen ein, aber keine einzige Dra­menfigur. So bekannt der dänische Dichter als Märchenerzähler ist, so we­nig weiß man über ihn als Theaterautor, der die Bühne glücklos liebte und insgesamt immerhin rund 40 Schauspiele und...

Versuche in Weltverbesserung

Es hätte so schön werden können, und so gut war es gemeint: Theater für die ganze Familie! Mit A-Schauspielern, einem A-Regisseur, einer A-Autorin! Musik! Ein Klassiker, 400 Jahre alt! Und eine frohe Botschaft: Lebe deine Träume! Die Weih­nachtszeit ist ja auch nicht mehr fern, nur noch ein Vierteljahr, und in den Supermärkten liegen schon die Lebkuchen.

Dass sich...