Der gewöhnliche Rassismus
Leicht und heiter ist der Beginn, schwer und düster das Ende von Thomas Freyers neuem Stück. In drei ganz unterschiedlich strukturierten Teilen geht Freyer der Frage nach, woher rassistisch motivierte Gewalt in unserer Gesellschaft kommt. Pointiert und dialogisch geschrieben, ähnelt der erste Teil einer Exposition zu einer Gesellschaftskomödie à la Yasmina Reza. Vier Freunde – zwei Frauen und zwei Männer – treffen sich zum gemeinsamen Abendessen. Es ist eine Art kleines Klassentreffen, die vier sind zusammen zur Schule gegangen, dann haben sich ihre Wege getrennt.
Esther, die Gastgeberin, ist in dem inzwischen sanierten und gentrifizierten Stadtviertel geblieben, während Laura aufs Land zog und eine Familie gründete. Daniel ist ein international agierender erfolgreicher Geschäftsmann geworden, während Soska, der als Junge aus Polen nach Ostdeutschland gekommen war, sich eher in zynisch-kritischer Gesellschaftsanalyse übt.
Während sie sich gegenseitig Lebens- und Familiengeschichten vor Augen halten, bröckelt die Fassade des schönen Scheins von im modernen bürgerlichen Leben Angekommenen. Die Vergangenheit holt die vier ein und prägt ihre Lebensvorstellungen und Ängste. Lauras ...
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Theater heute Jahrbuch 2020
Rubrik: Neue Stücke, Seite 142
von Jörg Bochow
Um in Corona-Zeiten Julia Oschatz, die Bühnenbildnerin des Jahres, zu treffen, muss man sich auf den Weg machen. Die 1970 in Darmstadt geborene, in Berlin lebende Künstlerin hat sich zur Zeit in ihr Atelier zurückgezogen, 100 km Landstraße von Berlin entfernt, in einem kleinen Dorf in Sachsen-Anhalt. Hinterm Elbdamm grasen Pferde und weiße Kühe, Enten quaken,...
In seiner bahnbrechenden Theorie um Ödipuskomplex und Penisneid hat Sigmund Freud den zweiten Part des Mythos komplett ausgeblendet: die Rolle der Jokaste. Jokaste? Genau, die Mutter, pardon: Frau des Ödipus, der mit ihr vier Kinder zeugte, nachdem er ihren Mann und seinen Vater erschlagen hatte. Diese vernachlässigte Figur aber soll, wie könnte es anders sein, in...
1759 ist ein bedeutendes Jahr in der englischen Geschichte. In der Mitte des Siebenjährigen Krieges (1756–1763), eines globalen Konflikts, den man als einen ersten Weltkrieg bezeichnen könnte, verlor Frankreich in den Seeschlachten bei Lagos und in der Bucht von Quiberon den Kampf um die Vormacht auf den Meeren an England, gleichzeitig mussten sie Québec aufgeben,...
