Der gewöhnliche Rassismus
Leicht und heiter ist der Beginn, schwer und düster das Ende von Thomas Freyers neuem Stück. In drei ganz unterschiedlich strukturierten Teilen geht Freyer der Frage nach, woher rassistisch motivierte Gewalt in unserer Gesellschaft kommt. Pointiert und dialogisch geschrieben, ähnelt der erste Teil einer Exposition zu einer Gesellschaftskomödie à la Yasmina Reza. Vier Freunde – zwei Frauen und zwei Männer – treffen sich zum gemeinsamen Abendessen. Es ist eine Art kleines Klassentreffen, die vier sind zusammen zur Schule gegangen, dann haben sich ihre Wege getrennt.
Esther, die Gastgeberin, ist in dem inzwischen sanierten und gentrifizierten Stadtviertel geblieben, während Laura aufs Land zog und eine Familie gründete. Daniel ist ein international agierender erfolgreicher Geschäftsmann geworden, während Soska, der als Junge aus Polen nach Ostdeutschland gekommen war, sich eher in zynisch-kritischer Gesellschaftsanalyse übt.
Während sie sich gegenseitig Lebens- und Familiengeschichten vor Augen halten, bröckelt die Fassade des schönen Scheins von im modernen bürgerlichen Leben Angekommenen. Die Vergangenheit holt die vier ein und prägt ihre Lebensvorstellungen und Ängste. Lauras ...
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Theater heute Jahrbuch 2020
Rubrik: Neue Stücke, Seite 142
von Jörg Bochow
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