Der demütige Punk
Es geht um Wahrheit. Quote ist was für Loser», sagt Rainald Goetz in «wrong», genauer in einem Interview mit Christoph Amend aus dem «Zeit-Magazin», das in diesem Sammelband abgedruckt ist. Damit liegt er natürlich komplett falsch, und das wusste er auch, als er es 2010 sagte. Im digitalen Zustand des Kapitalismus fällt eine Bastion der Wahrheit nach der anderen den Click-Strategen in die Hände, denen die Wahrheit schnurz ist, wenn sie nicht für Empörung taugt.
Aber Rainald Goetz’ Credo-Sammlung der eigenen Anschauungen in «wrong» dient auch nicht dem Zweck, Blaupausen der Wirklichkeit, die durch exzessiven Medienkonsum entstanden sind, analytisch richtig einzuschätzen. Diese 370 Seiten Selbsterklärung in Vorträgen, Reden und Interviews sollen den Autor zeigen als Architekt der Widersprüche, der apodiktische Aussagen mischt mit viel Sowohlals-auch, Beichten der eigenen Schwäche mit literarischen Putschversuchen gegen die Dummheit der Epoche, Rebellisches mit hoher Moral.
70 Jahre wurde Rainald Goetz Ende Mai, dieser sich stets schwer aus dem Altern windende Generationsautor von junggebliebenen Popkulturellen, die heute ungefähr so viel Leben vor der Wende verbracht haben wie ...
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Theater heute Dezember 2024
Rubrik: Bücher, Seite 35
von Till Briegleb
In einer rabenschwarzen Nacht hämmert eine hochschwangere Frau an die Türen einer Klinik, die direkt aus der mörderischen US-Thriller-Serie «Ratched» stammen könnte: Wer hier landet, der ist in schlechten Händen. Man sucht Hilfe und findet bloß Sadismus. Sibylle Bergs Roman «Toto oder Vielen Dank für das Leben» (2012) berichtet maximal zynisch von der...
Theater heute Über der Berliner Kultur- und Theaterszene hängt seit Mitte des Jahres die dunkle Wolke massiver Etatkürzungen, wobei sich die regierende CDU/SPD-Koalition und vor allem Kultursenator Joe Chialo eher in diffusen Andeutungen ergehen. Nur noch einmal zum Stand der Information Mitte November: Was an konkreten Kürzungen ist den Berliner Theatern, darunter...
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