Der demütige Punk
Es geht um Wahrheit. Quote ist was für Loser», sagt Rainald Goetz in «wrong», genauer in einem Interview mit Christoph Amend aus dem «Zeit-Magazin», das in diesem Sammelband abgedruckt ist. Damit liegt er natürlich komplett falsch, und das wusste er auch, als er es 2010 sagte. Im digitalen Zustand des Kapitalismus fällt eine Bastion der Wahrheit nach der anderen den Click-Strategen in die Hände, denen die Wahrheit schnurz ist, wenn sie nicht für Empörung taugt.
Aber Rainald Goetz’ Credo-Sammlung der eigenen Anschauungen in «wrong» dient auch nicht dem Zweck, Blaupausen der Wirklichkeit, die durch exzessiven Medienkonsum entstanden sind, analytisch richtig einzuschätzen. Diese 370 Seiten Selbsterklärung in Vorträgen, Reden und Interviews sollen den Autor zeigen als Architekt der Widersprüche, der apodiktische Aussagen mischt mit viel Sowohlals-auch, Beichten der eigenen Schwäche mit literarischen Putschversuchen gegen die Dummheit der Epoche, Rebellisches mit hoher Moral.
70 Jahre wurde Rainald Goetz Ende Mai, dieser sich stets schwer aus dem Altern windende Generationsautor von junggebliebenen Popkulturellen, die heute ungefähr so viel Leben vor der Wende verbracht haben wie ...
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Theater heute Dezember 2024
Rubrik: Bücher, Seite 35
von Till Briegleb
Einfach nur «glücklich und bedeutsam sein», meint Sie. Darauf Er: «Das wollen wir alle.» Allerdings. Aber die hehren Wünsche fügen sich nicht so einfach in zwei Zimmer auf 50 Quadratmetern «mit Klicklaminat und Linoleum -boden in der Küche, und jeder Schritt macht so ein schreckliches Plastikgeräusch». Damit ist bei Weitem noch nicht das ganze Problemfeld...
«Der Reisende» zu lesen, fühlt sich an, wie langsam in einen Abgrund gezogen zu werden – vorbei an fröhlich winkenden Menschen. Ulrich Alexander Boschwitz, 23 Jahre alt und selbst im Herbst 1938 schon im Exil irgendwo zwischen Luxemburg und Belgien, hat den Roman in nur wenigen Wochen geschrieben. Er ist eine Reaktion auf die Novemberpogrome.
Die erzwungene Reise...
Es gibt Werke, die einen vorzüglichen Eindruck vom Grundgefühl der DDR vermitteln. Brigitte Reimanns Romanfragment «Franziska Linkerhand» ist ein solches, der Film «Unser kurzes Leben», der auf Reimanns Buch basiert, ebenso. Beide nehmen uns mit hinein in die Welt der gebremsten Aufstiegsversprechen in der ostdeutschen Nachkriegsmoderne.
Die Architektin Franziska...
