Der Bilderstürmer

Der Bühnenbauer Wilfried Minks hat aus Bühnenbildern Räume gemacht: Er gibt Auskunft über Leben und Werk

Theater heute - Logo

Mit 81 Jahren ist Wilfried Minks wieder da angekommen, wo er anfing. Er verbringt seine Zeit vor allem mit Zeichnen und Malen, so wie er es schon mit vierzehn und fünfzehn Jahren tat, nach der Vertreibung aus dem böhmischen Dorf Binai, fünfzig Kilometer nördlich von Prag (und fünfzig Kilometer südlich von Theresienstadt – von dem, was dort vor sich ging, wusste er damals nichts, sagt er).

Seine Lebens-, vor allem aber Arbeitserinnerungen sind jetzt in Form eines langen Gesprächs mit seiner Frau Ulrike Maack erschienen, unter dem Titel «Wilfried Minks – Bühnenbauer».

Inkonsequenterweise taucht der Terminus «Bühnenbauer» nur im Titel des Buches auf, im Text heißt es durchweg «Bühnenbildner» – dabei hat Minks wie kein anderer zur Abschaffung des dekorativen Bühnenbilds beigetragen und stattdessen Räume entworfen. Auf seinen durchschlagenden Erfolg bei diesem Prozess reagiert er schroff und ein wenig eitel: «Es gab eine Zeit, in der alles Minks war. Deshalb habe ich mich aus der Bühnenbildnerei zurückgezogen» – von 1978 bis 1993 hat Minks tatsächlich nur noch Bühnen für eigene Inszenierungen gebaut.

Zu Beginn erzählt er vom Dorfleben in Binai, wo es fünf Bauern- und fünf ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Januar 2012
Rubrik: Magazin, Seite 70
von Henning Rischbieter

Weitere Beiträge
Laues Lüftchen

Jean Genets Reaktion auf die Uraufführung 1957 am Londoner Arts Theatre legt nahe, dass Peter Zadek damals ziemlich prall und heftig inszeniert haben muss. Der Regisseur, so Genet, habe weder den Geist noch den Text des Stückes geachtet, und überdies erwecke die Inszenierung den Eindruck, er, also Genet, «sei ein Skandalma­cher und Pornograf». Donnerwetter, kann...

Auf der Suche nach der verlorenen Realität

Eine grüne Drehbühne, im Hintergrund eine runde Bildprojektion. Vorn ein Stehpult für die Hauptdarsteller: Erst spricht der Bundespräsident, dann die Kanzlerin und jetzt der Ministerpräsident von Baden-Württemberg. Er dreht und wendet etwas linkisch das Manuskript, bevor er anfängt. Dafür gibt es vom gefüllten Auditorium des Badischen Staatstheaters Szenen­applaus....

Das neue «Theater heute»

im Februar 2011 haben wir in einer ausführlichen Umfrage nach Ihren Eindrücken und Verbesserungsvorschlägen für «Theater heute» gefragt. Der Rücklauf war doppelt überwältigend. Fast 1000 Antworten auf lange Fragebögen – so viel Zeit und Aufwand allein beweisen, was Ihnen diese Zeitschrift wert ist. Und die überwältigende Zustimmung zu den redaktionellen Inhalten,...