Auf innerer Forschungsreise
Julia Wieninger steht in einer Küche mit Umzugskartons und spielt Julia Wieninger, die gerade nach Köln gezogen ist. Sie erzählt, wie sie Hanna auf der Straße vor dem Theater angesprochen hat, nach wochenlanger Suche in Büdchen, Museen und U-Bahnen. Und dann klingelt es an der Tür, Julia Wieninger verlässt die Bühne – und kommt als Hanna wieder herein.
Das Haar zum tiefhängenden Zopf gebunden, schnaufend, ein etwas unförmiger Pullover, aber vor allem: der plötzlich so gedehnte Sprachgestus, ein leicht zurückgelehnter Kopf, der auf einmal ein Doppelkinn ahnen lässt, die offene, in Augenhöhe gestikulierende Hand, die stets einen Deckel zu schließen scheint. Sie ist eine durch und durch andere. Zuerst befürchtet man, sie mache sich über Hanna lustig. Doch dann kommt es ganz anders. Selten konnte man so spektakulär der Verwandlung einer Schauspielerin zusehen wie in Alvis Hermanis’ «Kölner Affäre», uraufgeführt 2008, im ersten Jahr von Karin Beiers Intendanz in Köln. Ein großer kleiner Theaterabend darüber, dass die Poetisierung des Alltäglichen die einzige Hoffnung ist. Und man sie selbst in die Hand nehmen kann.
Wieninger war damals neu in Köln, es war nach jahrelanger freier Arbeit ...
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Theater heute Januar 2012
Rubrik: Akteure, Seite 36
von Dorothea Marcus
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