Den mitteleuropäischen Horizont sprengen

Drei subversive Buchempfehlungen von Akin Emanuel Sipal

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I

«Die flüchtige Seele» («The Runaway Soul») von Harold Brodkey, 1991 erschienen – 1995 in deutscher Übersetzung von Angela Praesent – ist ein zeitlos subversiver Roman, zeitlos nicht im Sinne von klassisch, sondern im Sinne von jedes Zeitgefühl irritierend. Erzählt wird, mehr oder weniger linear, die Geschichte des Aufwachsens und Erwachsenwerdens von Wiley Silenowicz, dem Alter Ego des Autors, das schon in Brodkeys Erzählband «Stories in an Almost Classical Mode» auftauchte. 

Die Stationen sind St. Louis, Harvard, New York, ca.

zwischen 1935 und 1980. Nur ist den meisten Leser:innen vermutlich nicht beschieden, diesen Weg lesend nachzuvollziehen. Der Text lässt eine(n) programmatisch rausfliegen, weil er zu tief schürft: Mit jedem Satz wird der Raum, den Wiley schildert, tiefer und die Zeit dickflüssig wie Sirup. Es entsteht der Eindruck, man könne sich wirklich ALLES in Ruhe ansehen, wie in einer in 8K aufgelösten Superslowmotion. In der Schwü -le dieser hochemotionalen, dichten, deskriptiven Prosa lässt Wiley dann lockerluftig, mit ein, zwei Sätzen Figuren entstehen, die stets so widersprüchlich sind wie er selbst: schlagfertig, hypersensibel, flatterhaft … 

Weil der Text so ...

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Theater heute August/September 2022
Rubrik: Lektüresommer, Seite 49
von Akin Emanuel Sipal

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