Das Schicksal der Klassiker
Da war wohl noch eine Rechnung offen. Regisseurin Karin Henkel nimmt sich schon zum zweiten Mal Bernhards «Auslöschung» vor, diesmal aber gründlich. Beim ersten Mal, Anfang 2019 im Hamburger Schauspielhaus, war der 600-Seiten-Roman von 1986 noch eingebettet in eine Textcollage mit den Stücken «Vor dem Ruhestand» und «Ritter Dene Voss». Jetzt, nur drei Jahre später und nach längeren Covid-Verschiebungen, steht Bernhards epische Werkbilanz allein im Mittelpunkt.
Obwohl, ohne subtile Texterweiterung geht es auch diesmal nicht: Eingefügt sind größere Abschnitte aus den autobiografischen Jugenderinnerungen «Ungenach», «Die Ursache» und «Ein Kind», dazu längere Wutreden aus den Stücken «Der Ignorant und der Wahnsinnige», «Am Ziel» und erneut «Vor dem Ruhe -stand» sowie «Ritter Dene Voss». Vor allem aber lange Passagen aus dem frühen Erzählfragment «Der Italiener», in dem Bernhard bereits 20 Jahre vor der «Auslöschung» eine Vorfassung des späteren Romans umrissen hat. Karin Henkel und Dramaturgin Rita Thiele lassen keinen Stein ungewendet, der zur Erhellung beitragen könnte.
Hinter allem steht die Frage: Wie umgehen mit Thomas Bernhard, bald ein halbes Jahrhundert nach seinem Tod? Was ...
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Theater heute August/September 2022
Rubrik: Aufführungen, Seite 28
von Franz Wille
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Szene 0
Pilger 1
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zweite Regel für Zeitreisende
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die...
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