Debatte: Schlingensief verzweifelt gesucht
So viel wurde in München schon lange nicht mehr über Theater gestritten – zumindest in dieser Hinsicht dürfte sich Kammerspiele-Intendant Matthias Lilienthal am Ziel seiner Wünsche fühlen. Sonst liegen die Standpunkte derzeit weit auseinander – schon in der Frage, worum es in der Debatte überhaupt geht.
Zur Erinnerung eine kurze Chronologie der aufgetretenen Symptome: Ende Oktober teilte die Presseabteilung der Kammerspiele mit, dass der französische Nachwuchsstar Julien Gosselin die Proben zu dem mit Spannung erwarteten Houellebecq-Projekt «Unterwerfung/Plattform» nach drei Wochen abgebrochen habe, Hausregisseur Nicolas Stemann sei jedoch eingesprungen, um die Produktion zu retten. Zehn Tage später wurde die Premiere ganz abgesetzt, und nun hagelte es auch noch Kündigungen der beliebten Schauspielerinnen Brigitte Hobmeier, Anna Drexler und Katja Bürkle. Christine Dössel, Theaterkritikerin der «Süddeutschen Zeitung», widmete der angeblichen Kammerspiele-Krise eine Aufmacherseite im Feuilleton und kam zu dem Ergebnis, dass das von Lilienthal vertretene «interdisziplinäre, partizipative, postdramatische Diskurs- und Performancetheater» bisher «keine wichtigen, dem ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Januar 2017
Rubrik: Magazin, Seite 59
von Silvia Stammen
Schade, dass Gerhard Stadelmaier die Verfilmung von Peter Handkes Stück «Die schönen Tage von Aranjuez» durch Wim Wenders nicht mehr im Dienst erlebt. Denn die Verfilmung sieht so aus, wie Stadelmaier das Stück aninszeniert hat in seiner Besprechung der Premiere von 2012: «Man müsste die beiden nur sitzen, sprechen und träumen lassen. Und wenn sie...
Wenn Autoren ihre Wohlstandsheimaten durchbuchstabieren, fällt das in der Regel wenig schmeichelhaft aus. Da bildet die Zürcher Dramatikerin Katja Brunner keine Ausnahme, die der Schweiz unter dem Titel «Man bleibt, wo man hingehört, und wer nicht bleiben kann, gehört halt nirgends hin oder: Eine arglose Beisetzung» eine Art Sündenregister erstellt....
Lichtwechsel im Berliner Maxim Gorki Theater. Es folgt ein eher seltener ruhiger Moment in der lose montierten Monologfolge von Lola Arias’ «Atlas des Kommunismus». Ruth Reinecke blickt auf ein angefleddertes Textbuch in ihren Händen, sie blickt zu den Kollegen auf der Bühne, ins Publikum, dann nimmt sie innerlich Anlauf. Und los: Sie wisse, dass das sinnlos...
