«Den Zahn muss ich Ihnen ziehen»
Lichtwechsel im Berliner Maxim Gorki Theater. Es folgt ein eher seltener ruhiger Moment in der lose montierten Monologfolge von Lola Arias’ «Atlas des Kommunismus». Ruth Reinecke blickt auf ein angefleddertes Textbuch in ihren Händen, sie blickt zu den Kollegen auf der Bühne, ins Publikum, dann nimmt sie innerlich Anlauf. Und los: Sie wisse, dass das sinnlos ist, sagt sie, und wolle es trotzdem versuchen.
Einen seit bald drei Jahrzehnten vergangenen Theatermoment samt seinem historischen Kontext wieder auferstehen zu lassen, zumindest eine Ahnung davon in die Gegenwart zu holen. Das grenzt an Totenbeschwörung: «Das ist mein Original-Textbuch ‹Die Übergangsgesellschaft›, ein Stück von Volker Braun, das er 1982 schrieb, seine Version von Tschechows ‹Drei Schwestern› in der Endzeitstimmung der DDR.» Ruth Reinecke spielte darin Mette, eine, die nicht dazu gehört und von draußen kommt, von außerhalb der Familie, des Alltags, der Regeln – ein bisschen lockerer, lebendiger als der Rest der Figuren, die da in einer realexistierend heruntergekommenen Villa ihr postidealistisches Mütchen kühlen. Erst im Frühling 1988 kam das Stück am Gorki-Theater heraus, bis zur Wende gab ...
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Theater heute Januar 2017
Rubrik: Akteure, Seite 30
von Ulrich Seidler
Selbstkritik ist noch immer ein rares Gut, obwohl sie so große Sympathien erzeugt. Sebastian Hartmann hat das erkannt und tut, was die Seehofers, Beckenbauers, Winterkorns und Petrys dieser Welt so krampfhaft vermeiden, bis sie niemand mehr mag: Er stellt öffentlich fest, dass er daneben lag. Im Programmheft zu seiner dritten Stuttgarter Inszenierung gibt er...
Werner Fritsch ist der Theatermann fürs grob Verworrene, für die verschmitzte Provokation, die hirnschwurbelnde Sprachakrobatik und überhaupt für Abende, an denen man am Ende nicht mehr so recht weiß, ob man jetzt gut unterhalten oder doch auf hohem Niveau verarscht wurde. Es kann auch durchaus beides zutreffen, und am Ende von «Shakespeares Schädel in Fausts...
Daten
Aachen, Grenzlandtheater
31. Delaporte und de La Patellière,
Das Abschiedsdinner
R. Udo Schürmer
Aachen, Theater
19. Projekt, Eine Handvoll
R. Robert Seiler
27. Miller, Alle meine Söhne
R. Michael Helle
28. Nicht mit uns! – Zauberland
ist abgebrannt
R. Florian Hertweck
Aalen, Theater der Stadt
11. Stamm, Agnes
R. Tonio Kleinknecht
Altenburg...
