Theater im Kino: Saline, Blatt, Geschlecht

«Die schönen Tage von Aranjuez»: Peter Handke plus Wim Wenders gleich großes Kino?

Theater heute - Logo

Schade, dass Gerhard Stadelmaier die Verfilmung von Peter Handkes Stück «Die schönen Tage von Aranjuez» durch Wim Wenders nicht mehr im Dienst erlebt. Denn die Verfilmung sieht so aus, wie Stadelmaier das Stück aninszeniert hat in seiner Besprechung der Premiere von 2012: «Man müsste die beiden nur sitzen, sprechen und träumen lassen. Und wenn sie leichthüftig, fast schwebend säßen, klar, innig und geheimnistoll sprächen und noch besser träumten – dann ergäbe sich auf der Bühne alles von allein.» 

Darauf setzt nun Wim Wenders’ Film.

Der hat sich ein hübsches Landhaus mit Blick auf Paris gesucht, drapiert Mann und Frau als unklar miteinander verbundenes Paar unter der Pergola des schönen Gartens vom hübschen Landhaus, legt einen – da war doch was – Apfel auf den Tisch zwischen beide und lässt Dialog aufsagen. Oder einträumen oder was immer man an Projektionen mitbringen müsste, um sich den kunstergriffenen Sülz als große Literatur zurechtzubehaupten. Stadelmaier hatte damals schon mal auf Autopilot gestellt, um vorzuführen, wie so was klingen könnte: «Und es wäre Sache phantastischer Regie und Schauspieler, das Sommerliebesmärchen in eine fulminante Atmosphäre von ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Januar 2017
Rubrik: Magazin, Seite 61
von Matthias Dell

Weitere Beiträge
Die Zeitenwende

Es hat nicht lange gedauert. Zehn Tage, um genau zu sein. Zehn Tage, in denen die Ergebnisse der amerikanischen Wahlen Schockwellen durch die westliche Welt schickten; zehn Tage, in denen der zukünftige amerikanische Präsident Donald Trump Rassisten und Antisemiten auf die wichtigsten Posten im Weißen Haus berief; zehn Tage, in denen er deutlich machte, dass...

Aufführungen · Neue Stücke

Aufführungen

War vielleicht doch ein bisschen zu viel medialer Gegenwind, der Matthias Lilienthals als «Pipifax» geschmähter Performance-Schiene entgegenschlug. Ins neue Jahr jedenfalls starten die Münchner Kammerspiele so kanonisch wie nur irgend möglich: Mit Tschechows «Kirschgarten», möglicherweise leicht entkanonisiert durch Nicolas Stemann, und...

Im posthistorischen Frottee

Der steirische Schriftsteller Peter Rosegger (1843–1918) war zu Lebzeiten ein in­ternationaler Bestsellerautor und Nobelpreiskandidat. In der Steiermark ist er ein literarisches Nationalheiligtum, bis heute wird seine das Landleben verklärende Prosa («Als ich noch der Waldbauernbub war») touristisch vermarktet. Inwiefern Rosegger, dessen Texte auch vom ...