David gegen Goliath

Am 21. November vor 200 Jahren starb Heinrich von Kleist am Kleinen Wannsee bei Berlin. Im Jahr davor gründete er eine Zeitschrift und debütierte als Theaterkritiker, der nur einen Feind kannte: Iffland. Auszüge aus einer Biografie von Peter Michalzik.

Theater heute - Logo

1810– Kleist war seit Anfang des Jahres in Berlin und schickte «Das Käthchen von Heilbronn» noch einmal an August Wilhelm Iffland, Direktor des Berliner Nationaltheaters. Kleist hegte immer noch die Hoffnung, dass Iffland sein Stück aufführen würde. Daraus wurde nichts. Iffland demonstrierte Desinteresse, und Kleist revanchierte sich, indem er auf Ifflands Homosexualität anspielte: «Es thut mir Leid», schrieb er in einem Brief, «die Wahrheit zu sagen, daß es ein Mädchen ist; wenn es ein Junge gewesen wäre, so würde es Ew. Wohlgebohren wahrscheinlich besser gefallen haben.

» Das machte in Berlin schnell die Runde. Wie immer ergötzte sich die Gesellschaft an Boshaftigkeiten besonders gern. So war Kleists Bonmot ein großer Lacherfolg und trotzdem eine Dummheit: Er hatte alle Chancen verspielt, am Nationaltheater aufgeführt zu werden, solange Iffland dort Intendant war.
Das ist soweit bekannt. Bekannt ist auch, dass Kleist ein halbes Jahr lang, von Oktober 1810 bis März 1811, eine eigene Zeitung heraus­gab, die «Berliner Abendblätter». Er erfand dabei einen neuen Typus Zeitung. Kleists Mitarbeiter Achim von Arnim schrieb an die Brüder Grimm, das Blatt «soll sich vorläufig gar nicht auf ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Februar 2011
Rubrik: Akteure, Seite 36
von Peter Michalzik

Weitere Beiträge
We are family

Im Programmheft zu Sibylle Bergs neuestem Beitrag zur Zersetzung bürgerlicher Fassaden bemüht die Bonner Dramaturgie den wertekonservativen Verfassungsrichter Udo di Fabio als entschlossene Gegenstimme: «Die Familie», behauptet er eisern, «ist eine Lebensform des Menschen, ein sozialer Raum der Nähe, von dem aus der Zivilisationsprozess immer wieder erneut seinen...

Aufführungen

Zwei «Antigone»-Varianten zweier Vertreter verschiedener Generationen und Geschlechts stehen diesen Monat am Start: Friederike Heller inszeniert an der Berliner Schaubühne, Dimiter Gotscheff am Hamburger Thalia Theater. Im Centraltheater Leipzig steigt Sebastian Hartmann mal wieder in Frank Castorfs mythische Fußstapfen und inszeniert Laufs/Jacobys Schwank «Pension...

Hallo, erogene Zone!

Im Verlauf von Volker Löschs gewohnt freier Wedekind-Adaption «Lulu – Die Nuttenrepublik» an der Berliner Schaubühne ertappt man sich bei dem kuriosen Gedanken, beruflich womöglich aufs falsche Pferd gesetzt zu haben. Oder, koketter formuliert, sich selbst als Pferdchen ins falsche Rennen geschickt zu haben. Das älteste Gewerbe der Welt, aus dessen Nähkästchen ein...