Das unheimliche Gefühl für Kontinuität

50 Jahre nach der Wiedereröffnung des legendären Wiener Burgtheaters ist es Zeit für ein ganz besonderes Kapitel Theatergeschichte. Denn das Haus am Ring, als österreichische Nationalbühne immer ein politisch herausgehobener Ort, war nach Hitlers Zwangs-«Anschluss» 1938 mehr als anfällig für vorauseilenden NS-Gehorsam und hat auch nach 1945 oft die Kunst des Fortwurstelns gepflegt. Burg-Direktor Klaus Bachler und Klaus Dermutz, die jetzt den Band «Burgtheater 1955–2005» vorlegen, haben sich entschieden, eine kritische Aufarbeitung dieser Jahre zu unternehmen. Im Folgenden ein gekürzter Vorabdruck der wesentlichen Kapitel.

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Am 13. März 1938 sollte es zu einer Volksabstimmung über die Unabhängigkeit Österreichs kommen. Am 10. März setzte Hitler diese Volksabstimmung ab und ließ Pläne für den Einmarsch der deutschen Soldaten in Österreich ausarbeiten. Im «Berchtesgadener Abkommen» vom 12. Februar 1938 hatte der Bundeskanzler Schuschnigg dem Druck Hitlers nachgegeben. Die österreichische Außenpolitik wurde bereits von Hitler kontrolliert. Am 12. März 1938 wurde der «Anschluss» Österreichs durchgeführt.

Unter dem Jubel großer Teile der österreichischen Bevölkerung marschierten die deutschen Soldaten in den Morgenstunden ein und machten Österreich kampflos zur «Ostmark». Am späten Vormittag des 15. März 1938 erklärte Adolf Hitler in einer «Vollzugsmeldung vor der deutschen Geschichte» vom Balkon der Neuen Hofburg der jubelnden Menschenmenge auf dem Heldenplatz «den Eintritt meiner Heimat in das Deutsche Reich».

 

Der Schauspieler Fred Hennings hielt es nach der Radiorede des Bundeskanzlers Schuschnigg am Abend des 11. März nicht mehr zu Hause aus. Es überkam ihn, wie er sich in «Heimat Burgtheater» (1974) erinnert, «helle Freude und Befriedigung über das Ende seines (Schuschniggs) Regimes». Er ging zum ...

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Theater heute August/September 2005
Rubrik: Theatergeschichte, Seite 38
von Klaus Dermutz

Vergriffen
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