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Theaterkunst und Behauptungslust – Ulrich Khuon hält eine Festrede und macht sich ein paar grundsätzliche Gedanken

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Wer über das Theater gründlich nachdenkt, kommt am großen Theater- und Fußball-Philosophen Thomas Brdaric, der als Stürmer in Diensten des VfL Wolfsburg steht, kaum vorbei. Erst kürzlich, zu Beginn der Winterpause, sagte er: «Man macht sich schon sehr, sehr viele Gedanken. Und gerade weil man sich so viele Gedanken macht, habe ich mir in den letzten Tagen einfach sehr, sehr vieles durch den Kopf gehen lassen: dass ich mir nicht so viele Gedanken mache.» Damit wären meine Überlegungen eigentlich schon am Ende.

Weil es so aber kaum zu fassen ist, hier doch noch der Versuch eines zweiten Anlaufs. 

Fragen und Schlaglichter

Vielleicht ließe sich über das Theater auch so reden: «In gewisser Weise ist es ja ein anachronistisches Spiel: Es widersetzt sich den Mechanismen des Marktes – und auch des Fernsehens. Es ist ein offenes Spiel ohne festgelegtes Ende, ohne Zeitlimit, ohne Uhr – ein Spiel kann auch sieben Stunden dauern, und es entzieht sich der Standardisierung: Kein Spielfeld ist genau wie das andere. Vielleicht hat die Magie des Spiels auch damit zu tun, dass es immer noch die naive Erinnerung an Jungs auf einer Kuhwiese in sich trägt. Ich würde gern glauben, dass dahinter eine ...

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Theater heute August/September 2005
Rubrik: Essay, Seite 30
von Ulrich Khuon

Vergriffen
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