Das Theater des Jahres
Es spricht für ein gründlich aufbauendes und gleichzeitig selbstloses Timing, wenn ein Theater im siebten und letzten Jahr einer Intendanz zum Theater des Jahres wird. Dem Deutschen Theater unter der Leitung von Bernd Wilms ist dieses Kunststück des bedächtigen Aufstiegs gelungen. Nicht einmal der Lawinen-Hinterhalt des ehemaligen Berliner Kultursenators Thomas Flierl vor vier Jahren hat sie aufhalten können. Stattdessen hat man sich damals im Basislager des Theaters erst recht neu zusammengefunden.
Roland Koberg, seit sieben Jahren als Dramaturg dabei, blickt zurück auf eine schwierige Route.
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Im Jahr 1968 war von «68» noch lange nicht die Rede. Solche historischen Großetiketten für Brüche und Epochen entstehen immer erst hinterher – dafür halten sie sich, einmal in der Welt, umso hartnäckiger. 40 Jahre später, nachdem 68 viele Siege errungen hat und viele Tode gestorben ist, nachdem es ausführlich gefeiert und leidenschaftlich verdammt wurde, lässt...
Eine junge Frau begegnet einem Koffer: «Sein Griff, sein langer Griff, zieht meine Hand an. /Passgenau. / Ich geh weiter. / Einfach weiter. / Der Koffer rollt hinter mir her. / Leise und leicht.» Das Bild vom Koffer, der sich offenbar eine neue Herrin sucht, erschien mir sofort einleuchtend, vielleicht weil ich als Kind bei jedem scheinbar herrenlosen Hund hoffte,...
68 ist Historie, und die Kritische Theorie hat auch schon bessere Tage gesehen. Aber die Kritische Praxis lebt!
37 Kritiker haben wie immer unbestechlich, entscheidungsfreudig und furchtlos abgestimmt: über das Beste, was das deutschsprachige Theater in den letzten zwölf Monaten hervorgebracht hat. Ein Feuerwerk der Ideen, Höhepunkte ohne Ende. Die Stücke,...
