68–war da was?
Im Jahr 1968 war von «68» noch lange nicht die Rede. Solche historischen Großetiketten für Brüche und Epochen entstehen immer erst hinterher – dafür halten sie sich, einmal in der Welt, umso hartnäckiger. 40 Jahre später, nachdem 68 viele Siege errungen hat und viele Tode gestorben ist, nachdem es ausführlich gefeiert und leidenschaftlich verdammt wurde, lässt sich Dichtung und Wahrheit am großen Mythos zwar nicht immer auseinanderhalten, aber zumindest genauer betrachten.
War da wirklich was – und wenn ja, was?
Und was hat das Theater, angeblich eine Vorhut und letzte Bastion von 68, damit zu tun? Eva Behrendt fragt nach dem linken Auftrag – und was davon noch übrig ist. Hans Neuenfels, Thomas Ostermeier, Nicolas Stemann und Frank-Patrick Steckel reden über damals und heute: Zwei Regisseure, die das neue Theater von 68 vorbereitet und bestimmt haben, unterhalten sich mit zwei 1968 geborenen Kollegen über Erfahrungen, Geschichtsperspektiven, Unterschiede und Gemeinsamkeiten. Elisabeth Schwarz berichtet, wie sich Politisierung und Mitbestimmung aus Sicht einer Schauspielerin und Mutter zweier Kinder ausnahm. Henning Rischbieter lässt in einer Chronik die wichtigsten ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Christian Winkler, 1981 in Graz geboren und in der Steiermark aufgewachsen, kennt das englischsprachige Theater ebenso wie das deutschsprachige und ist erst vor kurzem von seinem Londoner Regiestudium nach Österreich zurückgekehrt, um nun von dort aus als Regisseur und Autor Theater zu machen. Und in den letzten Monaten ist viel passiert: Winkler hat seine Texte in...
Das Theater der Zukunft hatte der Dramatiker Heiner Müller vermutlich nicht vor Augen, als er, zehn Jahre vor dem Mauerfall und noch zu beschaulichen DDR-Zeiten, in seinem Revolutionsstück «Der Auftrag» einen kleinen Angestellten in den Fahrstuhl schob, am großen Auftraggeber vorbeifahren und in einem peruanischen Dorf wieder aussteigen ließ. Eher schon sah er in...
Hinlänglich dechiffriert ist der heimlich religiöse Subtext aller politischen Ideologie – die Aufhebung der Mühsal am Ende aller Zeit, am jüngsten Tag, am Ende des Kampfes, am Ende der Welt, am Ende der Revolte. Kurz mag das Religiöse also im Politischen Zuflucht gefunden haben, um bald darauf wieder ohne Obdach auf der Straße zu stehen. Aber zum Glück gibt es ein...
