Das Stück, das ein Film sein soll
Dieser Herbst ist wieder mal ein deutscher Herbst. Aber diesmal zieht sich der Herbst schon durch das ganze Jahr. Alle möglichen Leute versuchen auf Teufel komm raus, die Geschichte der RAF für ihre Zwecke zu instrumentalisieren. Jetzt, da die letzten Häftlinge bald ihre Zellen verlassen werden, ist der Kampf um die Deutungshoheit entbrannt. In der Literatur, im Feuilleton, in der Kunst, im Fernsehen und auf dem Theater. Eine ganze Generation (68er), ihre Gegner und ihre Nachgeborenen umkämpfen die Bedeutung dieses kleinen Zipfels aufständischer westdeutscher Geschichte.
Die einen haben es schon immer gewusst und distanzieren sich, wo es nur geht, die anderen sammeln im Geiste weiter für den Zahnersatz der ein-geknasteten Heroes und präsentieren sich selber als zahnlose, aber recht großmäulige Kämpfer.
Das Auffälligste an fast all diesen Debatten ist die Simplifizierung, mit der zu Werke gegangen wird. Wer am lautesten schreit, der wird gehört, die leisen sind meistens die komplizierten Stimmen und werden gerne vergessen. Vielleicht ist das der Grund, warum Jörg Albrecht so gerne mit Megaphon auftritt, wenn er zu einer seiner denk- und hörwürdigen Leseperformances ansetzt. ...
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Theater heute Jahrbuch 2007
Rubrik: Neue Stücke der neuen Spielzeit, Seite 146
von Björn Bicker
Irgendwann in der vergangenen Spielzeit widmete sich René Pollesch dem letzten Tabu des deutschen Theaters. Es ging wieder mal um käufliche Gefühle und darum, dass Theater auch nur eine Ware ist. Denkbar brutal und mit größtmöglicher Selbstverständlichkeit gab der Regisseur dem Publikum im Berliner Prater zu verstehen, dass es bei der Inszenierung «Tod eines...
Das Stück endet in der Katastrophe: Der Vater stirbt, die Ehefrau wird wegen Missbrauchs eines Minderjährigen verurteilt, weitere Beziehungen sind zerstört oder ihr Aufkommen wird im Keim erstickt. Oder es schließt mit Happy End: Denn der angeblich missbrauchte Junge und die Tochter beginnen eine Beziehung – die die Fehler der Eltern vielleicht vermeidet ....
Das Thalia ist ein sehr einfaches Theater. Es fällt schwer, es als außergewöhnlich zu beschreiben. Weil es das nicht ist. Es macht das, was ein Stadttheater machen sollte.
Es definiert sich über ein starkes Ensemble, welches es natürlich über Jahre entwickelt. Natürlich werden zentrale Rollen nie von außen besetzt. Natürlich werden junge Schauspieler über lange Zeit...
