Das Stück, das ein Film sein soll
Dieser Herbst ist wieder mal ein deutscher Herbst. Aber diesmal zieht sich der Herbst schon durch das ganze Jahr. Alle möglichen Leute versuchen auf Teufel komm raus, die Geschichte der RAF für ihre Zwecke zu instrumentalisieren. Jetzt, da die letzten Häftlinge bald ihre Zellen verlassen werden, ist der Kampf um die Deutungshoheit entbrannt. In der Literatur, im Feuilleton, in der Kunst, im Fernsehen und auf dem Theater. Eine ganze Generation (68er), ihre Gegner und ihre Nachgeborenen umkämpfen die Bedeutung dieses kleinen Zipfels aufständischer westdeutscher Geschichte.
Die einen haben es schon immer gewusst und distanzieren sich, wo es nur geht, die anderen sammeln im Geiste weiter für den Zahnersatz der ein-geknasteten Heroes und präsentieren sich selber als zahnlose, aber recht großmäulige Kämpfer.
Das Auffälligste an fast all diesen Debatten ist die Simplifizierung, mit der zu Werke gegangen wird. Wer am lautesten schreit, der wird gehört, die leisen sind meistens die komplizierten Stimmen und werden gerne vergessen. Vielleicht ist das der Grund, warum Jörg Albrecht so gerne mit Megaphon auftritt, wenn er zu einer seiner denk- und hörwürdigen Leseperformances ansetzt. ...
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Theater heute Jahrbuch 2007
Rubrik: Neue Stücke der neuen Spielzeit, Seite 146
von Björn Bicker
Eines Tages wird jeder denken, was er gerade denken will», hat Andy Warhol einst gedroht, «und dann werden wahrscheinlich alle dasselbe denken.» Betrachtet man die politischen Lockerungsübungen, die Samuel Finzi und Wolfram Koch zum Auftakt von Dimiter Gotscheffs «Perser»-Inszenierung absolvieren, beschleicht einen der Verdacht, der Zustand sei längst eingetreten:...
Wie das denn gehen solle, jammere ich der Freundin telefonisch ins Ohr – ein Geheimnis entschlüsseln, ein Rezept für Erfolg analysieren. Und nein, nein sagen, ginge in dem Falle gar nicht, schließlich wolle man vor der Herausforderung nicht kneifen, und es sei ja auch eine Ehre, und – stimmt – man fühle sich in seiner Eitelkeit geschmeichelt – und jetzt säße man...
Franz Wille Sie haben lange Zeit als Produzent im Freien Theater gearbeitet, Inszenierungen von der Finanzierung bis zur Premiere begleitet und ermöglicht. Seit dieser Spielzeit sind Sie Geschäftsführender Direktor des Maxim Gorki Theaters, eines der fünf großen Berliner Schauspielhäuser. Wenn man von den kleinen wendigen Schnellbooten auf einen mittelgroßen Tanker...
