Berlin: Auf Montage

Samuel Beckett «Endspiel»

Theater heute - Logo

Becketts «Enspiel» ist ein solider Oldtimer der Gott-ist-tot-Dramatik: Kein Sinn nirgends unter der Weltzirkuskuppel, nur leerlaufende Rituale, die einen Tag füllen, der jederzeit der letzte sein kann. Zwei höchst allgemeine Menschheitssymbolträger aus Herr (Hamm) und Knecht (Clov) stützen sich in ihren komplementären Behin­derungen von Nichtsehen- und Nichtsitzen­können durch die Routinen ihrer Stunden, die längst jeden Bezug zu einer Außenwelt verloren haben.

«Irgend etwas geht seinen Gang», sagt Clov etwa zur Stückmitte, was in seinem subjekt­reduzierten Dahintuckern das Stück sehr schön zusammenfasst. Dazu steuern Hamms beinlose Eltern Nell und Nagg in sandgefüllten Mülltonnen kleine Kommentare und Erinnerungen zur Vorsterbenszeit bei: finaler Existenzialismus der 50er Jahre des letzten Jahrhundert, dem, zum Klassiker erstarrt, längst alle Zähne ausgefallen sind.

Robert Wilson hat die Vorlage mit Licht, Ton und vollmechanisierten Schauspielern zu einer sehr geschmackvollen Spieluhr aufgezogen, deren wahres Ausmaß erst beim Schlussapplaus erkennbar wird: Wenn sich nämlich zu den vier Darstellern anderthalb Dutzend Techniker gesellen, zum Teil noch mit ihren Headsets, die für ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Februar 2017
Rubrik: Chronik, Seite 46
von Franz Wille

Weitere Beiträge
Die Verwandlung

Wenn es schon kein an­derer macht, muss man es eben selber tun: Die Dramaturgie des Berliner Ensembles, allen voran Peymann-Lebensgefährtin Jutta Ferbers, hat ihrem scheidenden Direktor ein Buch spendiert: «Claus Peymann – Mord und Totschlag». Hermann Beil zitiert im Vorwort Thomas Bernhards Theatermacher Bruscon – «Lebenslängliche Theaterkerkerhaft / ohne die...

Träumt weiter?

Manchmal passt es besser, als man planen konnte. Natürlich wurde am Deutschen Theater Tennessee Williams’ «Die Glasmenagerie» auf den Spielplan gesetzt, bevor irgend jemand sich auch nur im Entferntesten vorzustellen vermochte, dass in den USA fünf Wochen vor der Premiere tatsächlich ein durchgeknallter Milliardär zum Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt...

Der Weg ins Dunkel und der Weg ins Licht

Monotones, dumpfes Wummern, schier endloses, auf- und abschwellendes Gebrumm, bevor der Vorhang sich öffnet, soll die Zuschauer schon vorab in die Verzweiflung treiben, die in Iwanows Kopf dröhnt. Dann auf der Bühne, ein Zimmerfragment: Stuhl, Tisch, Heizkörper (wir sind im kalten Russland), Neonlicht. Ein Mann bewegungslos im knöchellangen schwarzen Wintermantel...