Berlin: Auf Montage
Becketts «Enspiel» ist ein solider Oldtimer der Gott-ist-tot-Dramatik: Kein Sinn nirgends unter der Weltzirkuskuppel, nur leerlaufende Rituale, die einen Tag füllen, der jederzeit der letzte sein kann. Zwei höchst allgemeine Menschheitssymbolträger aus Herr (Hamm) und Knecht (Clov) stützen sich in ihren komplementären Behinderungen von Nichtsehen- und Nichtsitzenkönnen durch die Routinen ihrer Stunden, die längst jeden Bezug zu einer Außenwelt verloren haben.
«Irgend etwas geht seinen Gang», sagt Clov etwa zur Stückmitte, was in seinem subjektreduzierten Dahintuckern das Stück sehr schön zusammenfasst. Dazu steuern Hamms beinlose Eltern Nell und Nagg in sandgefüllten Mülltonnen kleine Kommentare und Erinnerungen zur Vorsterbenszeit bei: finaler Existenzialismus der 50er Jahre des letzten Jahrhundert, dem, zum Klassiker erstarrt, längst alle Zähne ausgefallen sind.
Robert Wilson hat die Vorlage mit Licht, Ton und vollmechanisierten Schauspielern zu einer sehr geschmackvollen Spieluhr aufgezogen, deren wahres Ausmaß erst beim Schlussapplaus erkennbar wird: Wenn sich nämlich zu den vier Darstellern anderthalb Dutzend Techniker gesellen, zum Teil noch mit ihren Headsets, die für ...
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Theater heute Februar 2017
Rubrik: Chronik, Seite 46
von Franz Wille
Daten
Aalen, Theater der Stadt
25. Lessing, Nathan der Weise
R. Tina Brüggemann
Altenburg/Gera, TPT
26. Zuckmayer, Der Hauptmann von Köpenick
R. Bernhard Stengele
Annaberg, Eduard-von-
Winterstein-Theater
12. nach Brussig, Buck und Haußmann, Sonnenallee
R. Dietrich Kunze
Augsburg, Theater
4. Goethe, Faust
R. Christian Weise
10. Bjerg, Auerhaus
R. Bibiana Picado...
Neue Stücke
Was passiert, wenn der Bewohner einer fünfköpfigen Akademiker-WG sein Zimmer ein Jahr lang Geflüchteten zur Verfügung stellen will? Dann wird daraus eine deutsche Komödie: der potenzielle Bühnenblockbuster «Willkommen» von Lutz Hübner und Sarah Nemitz dekliniert die Konsequenzen dieser menschenfreundlichen Idee am Beispiel weiterer Menschenfreund*innen...
Shakespeare für Eilige, für Manager oder zum Einschlafen: Die Sucht, Klassiker einzudampfen und zu kompilieren, treibt aberwitzige Blüten. Zur Erweiterung des Zitatenschatzes und der Halbbildung wird da Weltliteratur zerpflückt und zerstückelt und in Häppchenform weitergereicht. Das Theater macht mit: Als eine Art Hochkultur-Medley kamen da schon mal «Sämtliche...
