Berlin: Auf Montage
Becketts «Enspiel» ist ein solider Oldtimer der Gott-ist-tot-Dramatik: Kein Sinn nirgends unter der Weltzirkuskuppel, nur leerlaufende Rituale, die einen Tag füllen, der jederzeit der letzte sein kann. Zwei höchst allgemeine Menschheitssymbolträger aus Herr (Hamm) und Knecht (Clov) stützen sich in ihren komplementären Behinderungen von Nichtsehen- und Nichtsitzenkönnen durch die Routinen ihrer Stunden, die längst jeden Bezug zu einer Außenwelt verloren haben.
«Irgend etwas geht seinen Gang», sagt Clov etwa zur Stückmitte, was in seinem subjektreduzierten Dahintuckern das Stück sehr schön zusammenfasst. Dazu steuern Hamms beinlose Eltern Nell und Nagg in sandgefüllten Mülltonnen kleine Kommentare und Erinnerungen zur Vorsterbenszeit bei: finaler Existenzialismus der 50er Jahre des letzten Jahrhundert, dem, zum Klassiker erstarrt, längst alle Zähne ausgefallen sind.
Robert Wilson hat die Vorlage mit Licht, Ton und vollmechanisierten Schauspielern zu einer sehr geschmackvollen Spieluhr aufgezogen, deren wahres Ausmaß erst beim Schlussapplaus erkennbar wird: Wenn sich nämlich zu den vier Darstellern anderthalb Dutzend Techniker gesellen, zum Teil noch mit ihren Headsets, die für ...
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Theater heute Februar 2017
Rubrik: Chronik, Seite 46
von Franz Wille
Die Mädchen fassen sich zwischen die Beine. Sie stöhnen und bäumen sich auf, sie winden sich und zerren an ihren leichten Sommerkleidern. Die Lust, die sie durchfährt, ist in der Eröffnungsszene dieser «Hexenjagd» am Wiener Burgtheater aber auch ein Todeskampf. Die Röcke und Blusen eignen sich hervorragend, um sich selbst zu strangulieren.
Die Masturbationsszene,...
[kafir]
«Ihr sucht die Freiheit.
Ich suche die Wahrheit.»
Hakan
(Abu Ibrahim)
Personen:
Ismet, älter
Ismet, jünger
Ayse, älter
Ayse, jünger
Hakan (Abu Ibrahim), ihr Sohn
Ort
Hier
Istanbul
Texas
Wüste
Zeit
Jetzt
3 Tage vor dem Militärputsch im September 1980 in der Türkei
1960
3
Istanbul-Texas 1980
Türküm, dogruyum, çalıskanım. Ilkem,...
Strahlend, freundlich, hell ist hier alles, eine Utopie scheint wahr geworden. Schwere Leiden und Schmerzen gibt es nicht mehr, Traurigkeit ist überflüssig. Doch die Leichtigkeit und Schönheit des Science-Fiction-Szenarios von Konstantin Küspert entzaubert sich, wenn man zu ahnen beginnt, was hier eigentlich abgeht.
Die Lebensfreude basiert auf einer Art Neufassung...
